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Metalle


Auf das Thema gestoßen bin ich über die Frage, was Chalkolibanon eigentlich ist. (Messing? Elektron?) Ich wollte hier nicht nur zusammenschreiben, was die etymologischen Wörterbücher sagen, sondern vor allem auch Links auf die besagten Artikel bieten. Zusätzlich habe ich die Literaturangaben bei Kluge/Seebold ausgewertet. Leider ist neuere Literatur online gar nicht verfügbar oder nur hinter einer Bezahlschranke. Das Ergebnis ist ein bisschen Kraut und Rüben. Denn weder habe ich alle in der Antike bekannten Metalle behandelt, noch habe ich bei der Auswahl der Sprachen irgendeine Systematik walten lassen. Vielmehr habe ich mich von meinen persönlichen Interessen leiten lassen, darum z.B. ist auch das atl. Hebr. oft vertreten, während z.B. Tochar. so gut wie gar nicht vorkommt; darum ist das Tschech. häufig genannt, das Bulg. aber so gut wie nie.

Für die verwendeten Auflagen der verlinkten Wörterbücher verweise ich auf die Indexseite. Kluge/Seebold bezeichnet die 25. Aufl., Gesenius ist (so nicht anders angegeben) die 16. Aufl. des Handwörterbuchs.
Weitere verwendete Werke (alphabet. nach Autorennamen geordnet):

Die verwendeten Siglen für Online-Wörterbücher:

Kupfer

Symbol Cu < lat. cuprum | Ordnungszahl 29 | Dichte 9 | Schmelzpunkt 1085 °C | Mohshärte 3

Kupfer war wohl das einzige Werkzeugmetall, das die Indogermanen bereits vor ihrer Trennung kannten.

Von mhd. Lexer kupfer, kopfer, ahd. AWb kuphar (auch koffar und Anlaut c- oder ch-); vgl. anord. koparr m. (Vries S. 326a), aengl. copor (Bosworth S. 166a), engl.  ꬲ  copper, von daher ir. eDIL copar; frz. CNRTL le cuivre, span. DLe el cobre, aber it. ETIMO il rame, von lat. aerāmen, -inis (zu aerō, -āre „mit Kupfer beschlagen“) ~ s.u. aes

Aus lat. cuprum, cyprum „Kupfer“ (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 313) = aes Cyprium „zyprisches Kupfer“, zu gr. κύπριος kýprios „zypri(oti)sch, aus Zypern; kupfern“, von Κύπρος Kýpros „Zypern“, weil die Insel in der Antike Hauptlieferant für Kupfer war.

Lippmann zitiert mind. zweimal (S. 274, 549) aus dem (in lat. und gr. Bruchstücken erhaltenen) Höchstpreisedikt Diokletians εἰς κύπρον „in Kupfer“ (scil. Arbeitende). Doch hat der erhaltene gr. Text 7,25 nur εἰς κ---, was Mommsen ergänzt zu εἰς κύπρου (entsprechend dem lat. in cupri, Mommsen/Blümner S. 22f). Selbst wenn die Ergänzung richtig sein sollte, handelt es sich bei diesem Wort nur um einen Übersetzungslatinismus, ein gr. κύπρον „Kupfer“ gibt es nicht.

Walde/Hofmann erwähnt elam. čupar „Kupfer“ (ältere Schreibung für za-bar? Hinz/Koch S. 1273), ass. siparru „Bronze“ (CAD Bd. 15, S. 296a-299a), vielleicht entlehnt aus sumer. ePSD2 zabar „Bronze“ (Delitzsch S. 219 „glänzend, Kupfer“). Doch scheint er sagen zu wollen, dass die Ähnlichkeit zum lat.-gr. Wort nur zufällig ist. Die Herkunft des Namens ist trotz verschiedener Herleitungsversuche ungeklärt.

Serbo-kroat. bakar / бакар von türk. bakır „Kupfer“, dies nach Stachowski (S. 75b) von pers. baḫir ds. (aber nicht bei Steingass).

Tschech. měď, russ. медь (Vasmer Bd. 2, S. 111) ist unklar. Nach Derksen (S. 309) von *mě̀dь „Kupfer“, für das er aber keine Etymologie liefert. Während Rejzek (S. 385) an den Namen der Landschaft Medien denkt, die in der Antike über bedeutende Kupfervorkommen verfügt habe, nennt Vasmer vermutete Verwandtschaft mit anord. smiðr „Handwerker, Schmied“ (Vries S. 520a), got. aiza-smiþa = gr. χαλκεύς „Schmied“ (Feist S. 31b), ahd. smid „Schmied“, smîda „Metall“ (Schade S. 833a) bzw. Herleitung von aksl. smědъ „dunkel“. Hierher gehören auch kroat. mjed, slowen. med, beide heute „Messing“.

Das alte idg. Wort für „Kupfer“ ist *ai̯os (Pokorny S. 15). Es bezeichnete bald auch das durch Beigabe von Zinn (seltener Blei und anderen Metallen) nach antikem Verständis „gefärbte“ Kupfer, die „Bronze“. Im Indoiran. dagegen bedeutet es „Eisen“.
Lat. aes, Gen. aeris < *ai̯eses „Kupfer, Bronze" (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 19).
Urgerm. *a(i̯)iz-, daraus got. aiz „Geld“ (als Übers. für gr. χαλκός „Kupfer, Bronze“ in Mk 6,8) (Feist S. 31a), anord. eir „Erz, Kupfer“ (Vries S. 97b), aengl. ār, ǣr „Erz, Messing, Kupfer“ (Bosworth S. 47b), engl.  ꬲ  ore „(Eisen-)Erz“ ist Vermischung von aengl. ār und aengl. ōra „Erz, unbearbeitetes Metall“ (Bosworth S. 763b), ahd. AWb êr „Erz, Bronze; Eisen?“, mhd. Lexer êr „Erz (=Bronze?), Eisen“.
Aind. áyas- „Eisen“ (Uhlenbeck S. 12a), avest. ayah- (Pokorny schreibt ayaṅh-) „Metall, Eisen“ (Bartholomae Sp. 159).

Das Wort stammt wohl nicht von Aɫašja (ɫ = [​ʎ]?), jünger Ajašja, dem alten Namen Zyperns, denn der Kupferabbau dort ist erst spätmykenisch (d.h. nach 1400 v.Chr.). Pokorny erwägt entgegen früheren Äußerungen (KZ 49) Ableitung von einer Wurzel ā̆i- „brennen, leuchten“ (brandfarbiges Metall).

Von dieser Wurzel ist im Nhd. nur noch das Adj. ehern „bronzen, eisern; hart, dauerhaft“ erhalten geblieben. Es ist zerdehnt aus mhd. Lexer êrin, ahd. AWb êrîn (westgerm. *aizīna-), vgl. aengl. ǣren, ǣr (das Bosworth S. 17b mit „made of brass, brazen“ = „aus Messing“ übersetzt), vgl. auch lat. aēn(e)us, ahēn(e)us (*ai̯es-no-) „kupfern, bronzen“, avest. ayaꬻhaēna- „metallen, eisern“ (Bartholomae Sp. 156).

Im Mhd. wurde êr von einem anderen Wort verdrängt: nhd. Erz geht über mhd. Lexer erze, ahd. AWb aruz, aruzzi vielleicht auf ein kleinasiat. Wanderwort zurück, vgl. sumer. ePSD2 urud „Kupfer“ (Delitzsch S. 51 „Bronze“). (Wohl kaum aus aes Arrētīnum o.ä. „Kupfer aus Arretium“, für seine Waffenmanufakturen bekannte etrusk. Stadt.) Das nhd. Wort Erz bezeichnet heute metallhaltiges Gestein, doch in der älteren Sprache (und wohl vielfach auch in den zitierten Wörterbüchern) auch die Bronze, vgl. in Schillers Glocke „Doch wehe, wenn in Flammenbächen | Das glühnde Erz sich selbst befreit!“.

Griech. χαλκός chalkós „Kupfer, Bronze“ (Frisk Bd. 2, S. 1068) ist bereits myk. als ka-ko belegt, auch in Zusammensetzungen und Ableitungen wie ka-ka-re-a2 = χαλκ-ήρης „erz-gefügt, ehern“, ka-ke-u = χαλκεύς „(Kupfer-)Schmied“, ka-ki-jo = χάλκ-(ε)ιος „kupfern“. Laut Frisk ist die Ähnlichkeit mit κάλχη, χάλκη kálchē, chálkē „Purpurschnecke, -farbe“ kaum zufällig und würde auf die Bedeutung „rotes Metall“ führen. Er verweist weiter auf heth. ḫapalki-, apalki- „Eisen“ und die baltoslaw. Bezeichnung des Eisens, z.B. lit. geležìs, russ. желе́зо želézo usw. (s.u. baltoslaw. „Eisen“). Falls gr. und baltoslaw. tatsächlich verwandt sind, „handelt es sich ohne Zweifel in den beiden Sprachzweigen um unabhängige Entlehnungen aus einer gemeinsamen östlichen Quelle“ (Frisk).

En passant leitet Lippmann (S. 543) χαλκός von semit. chalaqa = bearbeiten ab. Aber welches Wort soll das sein? Ar. خلق ḫalaqa „erschaffen, formen“ (Wehr S. 360b)? (Dem entspricht hebr. חלק ḥlq „ver-, zuteilen“, Gesenius S. 236b, II.)

Im atl. Hebr. ist נְחֹשֶׁת neḥóšæt „Kupfer, Bronze“ (Grundform *nuḥušt) (Gesenius S. 499a), vgl. ar. نُحَاس nuḥās „Kupfer“ (Wehr S. 1252a), syr. ܢܚܳܫܳܐ nḥāšâ „Kupfer, Bronze“ (so CAL, Payne Smith S. 336a dagegen „Messing“), ass. laʾšu, lāšu (nach CAD Bd. 9, S. 110b ein Adj. zur Qualifizierung von Kupfererz, nach Lewy aber „Kupfererz“).

Äg.
(auch mit anderen tropfenförmigen Determinativen wie z.B. X3) (Erman/Grapow Bd. 3, S. 99).
Erman/Grapow bezweifelt die aus dem Kopt. rekonstruierte Lesung ḥmt und stellt das Wort zu bjꜣ.
Dieses wird phonet.
,
,
o.ä. geschrieben (Erman/Grapow Bd. 1, S. 436).

Lepsius (S. 92-94) scheint Schreibungen für den Speer des Horus ḫmt „Dreizack, Harpune“ (Erman/Grapow Bd. 3, S. 284) für die phonetische Schreibung des Metalls, aus dem dieser Speer ist, zu halten und gelangt zur Lesung ꭓomt = Kupfer.

„Kupfer“ ist vielleicht auch
ṯḥś.t (Erman/Grapow Bd. 5, S. 396 „ein Metall (Art Kupfer)“; Schweitzer S. 7147 „[ein Metall]|copper; bronze (?)“).

Lepsius hält ṯḥś.t für Eisen (S. 102ff).

Kopt. ϩⲟⲙⲛ̄ⲧ homent (sahid.), ϩⲟⲙⲧ̄ homet (bohair.) (Spiegelberg S. 235). Nach Erman/Grapow geht die erste Silbe von kopt. ⲃⲁⲣⲱⲧ ba-rōt „Erz“ auf äg. bjꜣ zurück.

Bronze

Schmelzpunkt ~ 950 °C (abhängig vom Zinnanteil)

Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und anderen Metallen (ausgenommen Zink). Meist meint man damit die Zinnbronze, die zwischen 6 und 20% Zinn enthält, manchmal auch deutlich weniger oder mehr, im Regelfall um 10%.

Das Wort Bronze wurde im 17. Jh. entlehnt aus it. ETIMO il bronzo (mask., während das dt. Wort fem. ist). Die Form des dt. Wortes und die Aussprache [brɔ̃​ː​sə] lassen frz. Einfluss vermuten. Die Herkunft des it. Wortes ist dunkel. Kluge/Seebold vermutet, dass es über (nicht belegte) ar. Vermittlung (wegen des Vokals o) aus pers. برنج berenǧ (älter offenbar birinǧ) „Kupfer, Messing; Reis“ (Steingass S. 179b, daneben پرنگ piring „Kupfer“, S. 244b) entstanden ist (so auch Lokotsch S. 132b).

Andere Etymologien erwägen Zusammenhang mit Brundisium (aes Brundisinum „Kupfer aus Brindisi“, das in der Antike ein Zentrum der Herstellung von Bronzespiegeln war) oder dem dt. Wort Brunst „Brand, Hitze“ (Abstraktum zu brennen). Andere vermuten einen Zusammenhang mit dem Wort für braun (ahd. brūn, danach mlat. brunus, it. bruno) oder lat. obryzum (aurum) „geläutertes (Gold)“. Lippmann und CNRTL leiten es von mgr. βροντήσιον brontḗsion „Bronze“, vielleicht wörtl. „das Donnernde“ (zu gr. βροντή brontḗ „Donner“, vgl. βροντεῖον bronteíon Donnermaschine im Theater) ab (lt. Lippmann nach den bronzenen Glocken und Schlagwerken).

Das Wort wurde in viele europäische Sprachen übernommen, z.B. engl.  ꬲ  bronze (aus dem Frz.), frz. CNRTL le bronze, span. el bronce, ngr. ο μπρού(ν)τζος, russ. бро́нза bronza, tschech. bronz, serbokroat. bronca / бронза u.a.

Zu den antiken Bezeichnungen der Bronze s.o. lat. aes, s.o. gr. χαλκός, s.o. hebr. נְחֹשֶׁת.

Äg.
, phonet.
o.ä. ḥśmn (so Brunner, Grammatik, S. 74) bzw. ḥsmn (Erman/Grapow Bd. 3, S. 163) „Bronze“. Vielleicht auch s.o. ṯḥś.t.

Eisen

Symbol Fe < lat. ferrum | Ordnungszahl 26 | Dichte 7,9 | Schmelzpunkt 1539 °C | Mohshärte 4-5

Von mhd. Lexer îsen, ahd. AWb îsa(r)n; vgl. got. eisarn (Feist S. 131a), anord. járn neben älterem ísarn (Vries S. 291a), aengl. īsen, īsern (Bosworth S. 601a bzw. b) und īren (Bosworth S. 598a), engl.  ꬲ  iron.

Vielfach wurde Entlehnung aus dem Kelt. *īsarnon angenommen, vgl. air. eDIL íarn, kymr. haearn (GPC S. 1801c). Doch votiert Kluge/Seebold für Entlehung aus einer dritten Sprache. Auch auf die idg. Wurzel *isəro-s „kräftig, heilig“ zu *eis- „(sich) heftig, ungestüm, schnell bewegen“ (Pokorny S. 299) wird immer wieder hingewiesen, vgl. dor. ἱαρός hiarós / att. ἱερός hierós (r̥:er) „rüstig, heilig“, aind. iṣirá- „stark, regsam“ (Uhlenbeck S. 25b) (Eisen als das starke Metall i.Ggs. zur weicheren Bronze). Allein das lange ī im Anlaut von *īsarn- bliebe so ungeklärt. Pokorny nimmt deshalb ein vollstufiges *eisə-rno-m an, das illyr. zu *īsarnon wurde (kelt. hätte es ēs- werden müssen), von wo es die Kelten bzw. Germanen übernommen haben.

Cowgill leitet kelt. *īsarno- (von dem das Germ. stammt) von *ēsr̥-no- „blutig“ her, nach der rötlichen Farbe der Eisenerze oder dem Rost (Wurzel *es-r̥(gu) „Blut", Pokorny S. 343).

Das gewöhnliche gr. Wort für Eisen ist σίδηρος sídēros (Frisk Bd. 2, S. 703). Doch seine Etymologie ist unerklärt. Die Ähnlichkeit mit udisch zido „Eisen“ (nordostkaukas. Sprache) ist vielleicht nicht zufällig, aber es ist nicht klar, in welche Richtung die Entlehnung gegangen ist. Auch eine Verbindung mit lat. sidus „Gestirn“ wurde erwogen (sídēros hätte dann ursprl. das Meteoreisen bezeichnet).

Das lat. Wort ist bekanntlich ferrum (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 485f). Man nimmt Entstehung aus *fersom an, dieses (vielleicht über etrusk. Vermittlung) aus phön.-hebr. brzl / בַּרְזֶל barzæl „Eisen“ (Bloch S. 23, Gesenius S. 115a), vgl. ugar. brḏl (Olmo Lete/Sanmartín S. 236), syr. ܦܱܪܙܠܴܐ parzlâ (Payne Smith S. 459b), ass. parzillu (CAD Bd. 12, S. 212a), alle „Eisen“; Gesenius verweist auch auf „altar. فِرُزِل [firuzil] Eisenfessel“, das ist vielleicht فِرْزِلٌ firzil(un) „Fußfessel (compes captivi); Schmiedezange (forfex, qua ferrum incidit faber ferrarius)“ (Freytag Bd. 3, S. 331a); „die ihrerseits aus einer vorderasiatischen Sprache zu stammen scheinen“ (Walde/Hofmann).

Nach dem Lat. it. ETIMO il ferro, frz. CNRTL le fer, span. DLe el hierro (Anlaut wie facere - hazer, filius - hijo usw., s. Anlautendes F im Span.).

Die baltoslaw. Wörter für „Eisen“ aksl. želêzo (Miklosich S. 408a), tschech. slowak. slowen. železo, kroat. željezo, serb. жељезо / железо (häufiger aber гвожђе gvožđe), poln. żelazo, russ. желе́зо želézo (Vasmer Bd. 1, S. 416), lit. geležìs (Fraenkel S. 144b), sind vermutlich aus derselben Quelle entlehnt wie gr. χαλκός chalkós „Kupfer, Bronze“. Serb. гвожђе gvožđe nach Miklosich von aksl. gvozdij „Nagel“ (Miklosich S. 81b).

Aind. áyas-, avest. ayah- s.o ai̯os.
Mpers. āhan (geschrieben ʾh(j)nˈ, ʾs(n)ˈ, manich. ʾʾhwn) (MacKenzie S. 6), npers. آهن âhan, unerklärt.
Ar. حَدِيد ḥadîd (Wehr S. 234a), zu حدّ hadda „schärfen“ (Wehr S. 232b)?

Sumer. ePSD2 anbar (bei Delitzsch nicht gefunden).

Äg. seit dem Neuen Reich
,
 
o.ä. bjꜣ n p.t „Erz des Himmels“ = „(Meteor-)Eisen“ (Erman/Grapow Bd. 1, S. 436) (s.o. äg. „Kupfer“).

Daraus kopt. ⲃⲉⲛⲓⲡⲉ be-ni-pe (Spiegelberg S. 18).
Schrader sagt (S. 179), Eisen sei in Ägypten schon im Alten Reich „unter dem Namen men und mit dem Zeichen des Kupfers determiniert“ bekannt gewesen. Aus Lepsius (S. 102ff) geht hervor, dass das heute als s.o. ḥśmn „Bronze“ verstandene Wort gemeint ist. Das Alte Reich fällt in die Mitte des 3. Jahrtausends (ca. 2700-2200 v.Chr.); dass die Ägypter da schon Eisen kannten und benutzten, ist wenig wahrscheinlich.

Stahl

Schmelzpunkt ~ 1400 °C bei 2% C | Dichte 7,75-8,05

Stahl ist Eisen mit max. 2,1% Kohlenstoffanteil. Eisen mit mehr als 2,1% Kohlenstoff wird Gusseisen genannt. In der Antike wusste man noch nichts vom Kohlenstoffgehalt. Die Wörter, die gemeiniglich mit „Stahl“ übersetzt werden, bezeichnen wohl einfach besonders hartes oder gehärtetes Eisen.

Von mhd. Lexer stahel, stâl, ahd. stahal, stâl (Schade S. 862a); vgl. anord. stál (Vries S. 542b), aengl. stīle (Bosworth S. 920b) (j-Bildung), engl.  ꬲ  steel.

Das Wort geht auf germ. *stahla- zurück, dieses ist vielleicht verwandt mit avest. staxra- „stark, fest“ (Bartholomae Sp. 1591), vgl. aind. stákati „widersteht“ (Uhlenbeck S. 342b), dieses wiederum wird abgeleitet von idg. *stók-lo- „fest“, zur Wurzel idg. *stāk-, stek- „stehen, stellen“ (Pokorny S. 1011). Doch findet Kluge/Seebold „die Verknüpfung mit dem Arischen bei einer solchen Metallbezeichnung wenig überzeugend“.

Im Gr. gibt es zwei Wörter für Stahl: Das eine ist ἀδάμᾱς, -αντος adámās, -antos „Stahl; Diamant“ (Frisk Bd. 1, S. 19). Wenn wirklich gr., dann Alpha privativum + δαμά(ζ)ω damá(z)ō „bezwingen, überwinden“, also „unbezwinglich“. Doch Frisk vermutet Volksetymologie und Herkunft aus anderer Sprache. In den Nachträgen S. 18 verweist er noch auf eine Ableitung vom semit. Wort für „rot“, hebr. אדם ʾdm „rot sein“ (davon אָדֹם ʾādom „rot“, אֹ֫דֶם ʾódæm, ein roter Edelstein [Karneol, Rubin]) (Gesenius S. 10f), ass. adamu „Blut“ (CAD Bd. 1/1, S. 95b). Das Wort bezeichnete dann also wohl „Hämatit, Blutstein“.
Das andere Wort ist χάλυψ, -υβος chályps, -ybos, nach dem Volk der Chalyber, an der Südküste des Schwarzen Meeres, durch Stahlarbeiten bekannt (Ais. Prom. 714f οἱ σιδηροτέκτονες Χάλυβες „die Metall bearbeitenden Chalyber“).

Die Römer verwendeten entweder ein gr. Fremdwort chalybs, -ybis oder sagten acies ferri „Schärfe des Eisens“ oder nucleus ferri „Kern des Eisens“ (aber vielleicht nur im übertragenen Sinn für etwas ganz Scharfes oder Hartes). Aus acies entstand über mlat. ac(c)iarium „Stahl, gehärtete Schneide“ it. ETIMO l'acciaio m. (dialektal auch l'acciaro), frz. CNRTL l'acier m., span. DLe el acero m., weiters (Nebenform *aciale, vgl. venez. azale) ahd. AWb eckol, ecchol, -il, -el, mhd. Lexer eckel, aksl. ocêlĭ (Miklosich S. 219b), tschech. ocel f., slowen. jeklo (nach Miklosich aus ahd. ecchil), ngr. αβγ το ατσάλι atsáli (aus venez. azzal(e)) (im technischen Sinn nach dem Agr. ο χάλυβας chálybas). Nicht sicher hierher gehört türk. çelik, woraus serbokroat. čelik / челик. Aus dem Dt. stammen poln. stal, russ. сталь.

In Nah 2,4 werden פְּלָדֹות pelādôt genannt, der (nicht belegte) Sg. dazu müsste פְּלָדָה pelādâ lauten, was üblicherweise mit „Stahl“ übersetzt wird (Gesenius S. 642a), so man nicht eine Verderbnis annimmt und eine Textänderung konjiziert. Aber auch syr. ܦܽܘܠܳܕܳܐ ,ܦܽܘܠܳܕ pûlād, pûlādâ und ܦܰܠܳܕܳܐ palādâ „Stahl“ (Payne Smith Dict. S. 437a und S. 447a), ar. بُولَاد bûlâd und فُولَاذ fûlâḏ ds. (Wehr S. 124b und S. 989a). Vgl. auch npers. فولاد fûlâd „Stahl“, mpers. pōlāwad (geschrieben pwlʾp̄tˈ, manich. pwlʾwd, MacKenzie S. 69); hieraus (über türk. Vermittlung) russ. була́т bulat „Damaszenerstahl“ (Vasmer Bd. 1, S. 142).

Messing

Dichte 8,4-8,7 | Schmelzpunkt 900-940 °C

Messing ist eine Legierung aus Kupfer (mind. 50%) und Zink. Nicht selten werden weitere Metalle beilegiert, z.B. Nickel: das Ergebnis heißt Neusilber (Argentan, Paktong, auch Weißkupfer, Weißer Tombak, doch war das ursprl. eine Kupfer-Arsen-Legierung). Metallisches Zink war nach Lippmann (S. 570) in der Antike unbekannt (es kommt in der Natur so gut wie nicht vor); man erzeugte Messing durch Verschmelzen von Kupfer(erz) mit zinkhaltigen Mineralien, insbes. mit Galmei (Zinkcarbonat oder Zinksilikat).

Von mhd. Lexer messinc, ahd. AWb messinc; vgl. aengl. mæs(t)ling, mæslen (Bosworth S. 663a) (als Übersetzung von aes, aurichalcum, electrum), anord. messing, mersing ds. (Vries S. 385b).

Nach dem Duden ist die Herkunft ungeklärt. Kluge/Seebold erwägt Herkunft von gr. Μοσσύνοικος χαλκός mossýnoikos chalkós „mossynoikische Bronze“, nach dem Volk der Mos(s)ýnoikoi an der südöstl. Küste des Schwarzen Meeres, westl. von Kerasus (h. Giresun). Ps.-Arist., De mirabilibus auscultationibus, 62 (835a) (ed. Apelt 1888): φασὶ τὸν Μοσσύνοικον χαλκὸν λαμπρότατον καὶ λευκότατον εἶναι, οὐ παραμιγνυμένου αὐτῷ κασσιτέρου, ἀλλὰ γῆς τινὸς αὐτοῦ γινομένης καὶ συνεψομένης αὐτῷ. „Man sagt, dass die mossynoikische Bronze am glänzendsten und weißesten ist, da ihr kein Zinn beigemischt wird, sondern es daselbst eine Erde gibt (od. entsteht) und sie mit ihr (der Bronze) zusammen geschmolzen wird.“ (Besagte „Erde“ dürfte ein Zinkerz sein und die „Bronze“ daher Messing.)

Lippmann hingegen will es zu lat. massa „Masse, Klumpen“, mhd. messe, als Fem. „Metallklumpen“ (auch Gewichtseinheit), als Neutrum „Messing“, gestellt wissen. Schrader (S. 539) leitet es von poln. mosiądz und obersorb. mosaz ab, deren Urform von Miklosich als *mosengjŭ (Miklosich S. 202a) bestimmt wurde. Damit vergleicht er kirgis. (Turksprache), buchar. (= judäo-pers.?), kurd. (iran. Zweig des Idg.) und npers. Wörter. Doch scheint man heute die slaw. Formen eher vom Dt. herzuleiten als umgekeht (s.u. mosaz).

Engl.  e  brass, aengl. bræs „Bronze, Messing“ (Bosworth S. 120a). Engl. brass bezeichnete ursprl. jede Kupferlegierung, insbes. die Zinnbronze. Heute ist es eingeschränkt auf die Legierung mit Zink, d.i. Messing, Bronze heißt auf Engl. bronze. Die Herkunft ist unklar, Etymology online spekuliert über Verwandtschaft mit frz. brasser „mischen“. Walde/Hofmann (S. 486) hält es für aus derselben Quelle geschöpft wie lat. ferrum, nämlich phön. s.o. brzl.

Frz. CNRTL le laiton, span. DLe el latón werden heute abgeleitet von mlat. Du Cange allato „Messing“ (Abl. -one, 832 n.Chr.), jünger Du Cange lato (1052), dieses von ar. (al-)lāṭūn „Kupfer“? (in keinem Wörterbuch zu finden), dieses wiederum von turkspr. altun (türk. altın) „Gold“; dieses ist nach Stachowski (S. 60a) aus *āl ~ *al „rot“ + *tun „Kupfer“ < chin. simpl. 铜 / trad. 銅 tóng ds. Wenn das stimmt, müsste in it. l'ottone eine sekundäre Abtrennung des anlautenden l als Artikel vorliegen. Doch Pianigiani s.v. ETIMO ottone weiß noch nichts von der hispano-arab. These und leitet es von it. latta „Blech, Blechdose“ ab (dessen Etymologie wiederum umstritten ist) (so übrigens auch Echegaray Bd. 4, S. 82b (1889) span. latón von lata). Das Dizionario interattivo etimologico versucht gr. ὀπτόν optón „geschmiedet, geglüht“, während schon Du Cange das bei Hesych belegte ἐλατρεύς elatreús „dreifach geschmiedetes Eisen“ bemüht. Lippmann leitet es von s.u. Elektron ab.

Das gr. Wort ist ὀρεί-χαλκος oreí-chalkos eigentl. „Bergbronze“. Nach Diergart ist die Bedeutung „Messing“ erst ab dem 1. Jh. v.Chr. gesichert. Nach Blümner (S. 200) konnten die Griechen des 4. Jh. v.Chr. noch kein Messing herstellen, kannten es aber vielleicht durch Importe aus früherer Zeit. Dieses Wort wurde auch als lat. orichalcum übernommen. Es gibt auch die Form aurichalcum (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 85), die in Anlehnung an aurum „Gold“ möglicherweise ein edleres Metall bezeichnen möchte. Vermutlich liegt der Änderung der Schreibweise (au wurde seit spätrepublikanischer Zeit wie o ausgesprochen) Volksetymologie zu Grunde.

Nach den ngr. Wörterbüchern kann ο ορείχαλκος sowohl „Messing“ als auch „Bronze“ bedeuten. Die gr. Wikipedia führt das Messing unter ορείχαλκος, die Bronze unter μπρούντζος. Lippmanns τούντζυ tú(n)dzi „Messing“ kennen die Wörterbücher nicht, es ist zweifelsohne türk. tunç (älter tuç) „Bronze“ (das nach Stachowski S. 332a vermutl. aus dem Chin. kommt).

Tschech. mosaz nach Rejzek (S. 407) von urslaw. *mosędzь, dieses aus ahd. „massing“ (= messinc), ebenso slowak. mosadz, poln. mosiądz. Klar aus dem Dt. entlehnt ist serb.-kroat. месинг bzw. mesing. Daneben gibt es kroat. mjed, slowen. med, die verwandt sind mit z.B. tschech. s.o. měď „Kupfer“. Russ. лату́нь latun (Vasmer Bd. 2, S. 18) aus it. *lattone oder venez. laton? (Das von Vasmer genannte nhd. Latûn kenne ich nicht.)

Im AT kommt Messing meines Wissens nicht vor, im NT könnte evt. das rätselhafte χαλκολίβανον chalkolíbanon Messing meinen. Aind. kāṁsyam (Uhlenbeck S. 37b s.v. kaṁsás) ist unerklärt.

Kopt. ϩⲟⲙⲛ̄ⲧ (ⲛ̄)ⲃⲁⲣⲟⲧ homent (en)barot (oder ~ ⲃⲁⲣⲱⲧ ~ barōt) „Messing“ (Spiegelberg S. 19 und S. 235).

Gold

Symbol Au < lat. aurum | Ordnungszahl 79 | Dichte 19,3 | Schmelzpunkt 1064 °C | Mohshärte 2,5-3

Von mhd. Lexer golt, ahd. AWb gold; vgl. got. gulþ (Feist S. 224b) < germ. *gulþa-, aengl. gold (Bosworth S. 484b), anord. gull, goll (Vries S. 194a). So auch in den slaw. Sprachen und im Lett.: aksl. злато zlato (Deschler S. 82) < *gholto-, russ. зо́лото zoloto (Vasmer Bd. 1, S. 460), tschech. kroat. zlato, lett. zèlts < *ghelto-.

Dem Wort der germ. und baltoslaw. Sprachen liegt idg. *g̑hl̥-to- zu Grunde, dieses ist eine der zahlreichen Ableitungen von idg. *g̑hel[ə]-, g̑hlē- „glänzen(d); gelb, grün, blau schimmern(d)“ (Pokorny S. 429). Mit n- statt t-Suffix aind. hı́raṇya- „Gold“ (Uhlenbeck S. 360b), avest. zaranya- ds. (Bartholomae Sp. 1678). Auch die dt. Wörter gelb (mhd. gel, „Safran macht den Kuchen gehl“), Galle, Glut, Glas, Chlor u.a. sind von dieser Wurzel abgeleitet.

Gr. χρυσός chrysós (Frisk Bd. 2, S. 1122), bereits myken. ku-ru-so, auch in Zusammensetzungen wie ku-ru-so-wo-ko = χρυσ-ουργός „Goldarbeiter“, ist entlehnt aus phön. ḥrṣ (Bloch S. 31), hebr. חָרוּץ ḥārûṣ „Gold“ (dicht., Gesenius S. 258b), vgl. ugar. ḫrṣ ds. (Olmo Lete/Sanmartín S. 406), ass. ḫurāṣu ds. (CAD Bd. 6, S. 245b).

Sumer. ePSD2 kugsig, bzw. guškin (Delitzsch S. 112). Wie Delitzsch von kù-gi (so müsste nach seiner Transkriptionsliste S. xxv zu lesen sein) auf gu-uš-kin (so seine Transkription des Lemmas) kommt, habe ich nicht herausgefunden.

Lat. aurum (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 86), sabin. ausom (laut Paul. Fest. 9, ed. Thewrewk S. 6, s.a. Robert Seymour Conway, The Italic Dialects, S. 352), von der Wurzel *au̯es „leuchten“ (Pokorny S. 86), vgl. lat. aurōra „Morgenröte“ (a-Stamm-Erweiterung von idg. *āusōs), Bedeutung also „rötlich“?. Ebenso lit. áuksas „Gold“ (mit sekundärem -k-, Fraenkel S. 25a), apreuß. ausis, auch tochar. A wäs, B yasa (Douglas Q. Adams, A dictionary of Tocharian B). Wobei Schrader (S. 301f) für das Balt. Entlehnung aus dem Lat. für wahrscheinlicher hält als Urverwandtschaft. Aus dem Lat. entlehnt sind auch air. eDIL ór, kymr. aur (GPC S. 237b), alban. âr.

Das gewöhnliche hebr. Wort für Gold ist זָהָב zāhāḇ (Gesenius S. 194a), vgl. ar. ذَهَب ḏahab (Wehr S. 433b), syr. ܕܰܗܒ݂ܳܐ ,ܕܗܰܒ dhaḇ, dahḇâ (Payne Smith Dict. S. 84a). Daneben kommt auch כֶּ֫תֶם kǽtæm vor (Gesenius S. 368b).

Äg. nb „Gold“ (Erman/Grapow Bd. 2, S. 237), daraus kopt. ⲛⲟⲩⲃ noub (Spiegelberg S. 75). Vielleicht auch s.u. ḏʿm. Das Ideogramm stellt nach Brunners Grammatik einen Perlenkragen dar.

Vermutlich Entlehnung aus dem Semit. ist
Id. eins, Ideogramm-, Füllstrich
ktm.t (Erman/Grapow Bd. 5, S. 145 „Art Gold“) (vgl. hebr. kǽtæm).

Silber

Symbol Ag < lat. argentum | Ordnungszahl 47 | Dichte 10,5 | Schmelzpunkt 962 °C | Mohshärte 2,5-3

Silber war Jahrtausende lang das Geld- und Münzmetall par excellence. In manchen Sprachen bedeutet Silber gleichzeitig auch Geld.

Von mhd. Lexer silber, ahd. AWb sil(a)bar; vgl. got. silubr (Feist S. 421b), anord. silfr (Vries S. 475b), aengl. seolfor (Bosworth S. 864a), engl.  e  silver. Aber auch in den baltoslaw. Sprachen: lit. sidãbras (Fraenkel S. 780b), aksl. с(ь)ребро s(ı̆)rebro (Miklosich S. 336b), daher russ. серебро́ serebro (Vasmer Bd. 2, S. 613), kroat. srebro, tschech. stříbro. (Unklar ist mir, warum die slaw. Wörter nicht in Derkens etymolog. Wörterbuch enthalten sind.)

Kluge/Seebold behauptet auch „gall. śilabur“. Doch weder Dottin noch Delamarre kennen ein solches Wort. Gemeint ist vielleicht das keltiber. ś-i-l-a-bu-r auf der Bronzetafel Botorrita I, S. A, Z. 3 (Abb. und Translit. bei TITUS), das von Eska vermutungsweise mit „Silber“ übersetzt wurde (Botorrita plaque: Translations auf Wikipedia.en).

Das von den germ. und baltoslaw. Sprachen verwendete Wort wird allgemein als Entlehnung aus einer östlichen Sprache betrachtet, vgl. ass. ṣarpu „Silber“ (CAD Bd. 16, S. 113a), dazu ṣarāpu „(im Feuer) läutern, brennen“ (S. 102a). Lippmann (S. 527) bzw. Schrader (S. 766) verweisen auf das Hom. Il. 2,857 genannte Alýbē (τηλόθεν ἐξ Ἀλύβης, ὅθεν ἀργύρου ἐστὶ γενέθλη „fern aus Alybe, wo der Geburtsort des Silbers ist“) und konjizieren ein *σαλύβη salýbē. (Andererseits klingt hier der Name der s.o. Chalyber an).

Die meisten anderen idg. Sprachen bilden das Wort von der Wurzel idg. *ar(e)-g̑-, arg̑u-, r̥g̑i- „glänzend, weißlich“ (Pokorny S. 64), vgl. gr. ἀργός argós „glänzend, weiß“, ἀργής, ἀργεννός < *ἀργεσ-νος argḗs, argennós „weißschimmernd“ u.a.: aind. rajatám „Silber“ (Uhlenbeck S. 242b), apers. ardata- (Kent S. 171a), avest. ərəzata- (Bartholomae S. 352b), gr. ἄργυρος árgyros (Frisk Bd. 1, S. 133f) (u-Stamm, vgl. aind. árju-nas „licht, weiß“, Uhlenbeck S. 13b, lat. argū-tus „scharfsinnig, helltönend, ausgeprägt“), lat. argentum (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 66) (n-Stamm).

„Die formale Variation läßt vermuten, daß der Gebrauch des Silbers bei den Indogermanen jedenfalls wenig eingebürgert war, schließt aber dessen Kenntnis nicht aus.“ (Frisk) Die Ableitung mit n-Stamm haben auch die kelt. Sprachen, z.B. gall. arganto- in Ortsnamen wie Argento-ratum (Delamarre S. 53, Dottin S. 228), kymr. arian(t) (akymr. argant, GPC S. 203b), air. eDIL argat.

Die roman. Sprachen haben natürlich nach dem Lat.: it. ETIMO l'argento m., frz. CNRTL l'argent m. Aus der Reihe tanzt die iberische Halbinsel mit span. DLe la plata und port. a prata, von mlat. Du Cange plata „Platte, Blech“, vlat. *plattus „flach“, und dieses von gr. πλατύς platýs „flach, breit“.

Hebr. כֶּ֫סֶף kǽsæp̱ „Silber“ (Gesenius S. 357a), so auch ugar. ksp (Olmo Lete/Sanmartín S. 463), phön. ksp (Bloch S. 35), syr. ܟܶܣܦܳܐ ,ܟܣܶܦ ksep̱, kespâ (Payne Smith Dict. S. 221b), ass. kaspu (CAD Bd. 8, S. 245a) (neben dem bereits erwähnten ṣarpu). Die Etymologie ist unsicher, ob wirklich zu ar. كسف kasafa „farblos (blass oder dunkel) sein“?; bei Wehr nur „finster sein od. werden“ Wehr S. 1103b.

Sumer. ePSD2 kug und ePSD2 kugbabbar (Delitzsch S. 125 liest bzw. kubab(b)ar).

Äg.
oder als Semogramm ḥḏ „Silber“ (Erman/Grapow Bd. 3, S. 209), daraus kopt. ϩⲁⲧ hat (Spiegelberg S. 248).
Dass ḥḏ (ohne Determinative S12 und N33) auch „weiß, hell“ heißt, wird kein Zufall sein.

Elektron

Elektron (der Duden empfiehlt Betonung auf dem zweiten e: [eˈlɛktrɔn]) ist eine Legierung aus Gold und Silber, meist im Verhältnis 3:1 (25% Ag) bis 4:1 (20% Ag), die auch natürlich vorkommt. Davon zu unterscheiden ist der gleichnamige Werkstoff, eine Legierung aus Magnesium und Aluminium (9:1), die vor allem im Maschinenbau verwendet wird.

Das Wort ist gr. ἤλεκτρον ḗlektron (auch -ος -os), es gehört wohl zu ἠλέκτωρ ēléktōr, einem epischen Wort für die Sonne, wahrscheinlich „strahlend“. Menge S. 260b leitet es von einer Wurzel al(e)k „glänzen“ ab, zu der er auch aind. arkás „Strahl, Sonne“ und árcati „er strahlt“ stellt. Diese Wurzel ist wohl idg. *erk- „strahlen; hell klingen“ (Pokorny S. 340). Doch ēléktōr scheint bei Pokorny nicht unter dieser Wurzel auf. Er nennt es vielmehr im Zusammenhang mit idg. *u̯lek, u̯l̥k- „leuchten, feurig“? (Pokorny S. 1178), wozu er aind. ulkā́, ulkuṣī „Meteor“ stellt; aber er nennt es ablehnend: „unwahrscheinlich“. Nach Frisk Bd. 1, S. 629 ist die Etymologie von ēléktōr unerklärt, nach Chantraine dunkel („obscure“).

Gr. ḗlektron bezeichnet auch den Bernstein. Da man an ihm zum ersten Mal die statische Elektrizität beobachtet und untersucht hat, kam das negativ geladene Elementarteilchen zu seinem heutigen Namen (den ich auf der letzten Silbe betone: [ɛlɛkˈtroːn]).

Das hebr. חַשְׁמַל ḥašmal (Gesenius S. 267a) wird von der LXX mit ἤλεκτρον wiedergegeben. Doch ist diese Bedeutung ebenso unsicher, wie die Etymologie des hebr. Wortes umstritten ist. Auch das ntl. χαλκολίβανον chalkolíbanon wird von der Suda als Elektron gedeutet. Doch auch das ist unsicher (s. Chalkolibanon).

Äg.
ḏʿm ist nach Schweitzer (S. 7368) „Weißgold; Elektrum; Feingold“, nach Erman/Grapow Bd. 5, S. 537 „Art Gold von hellerer Farbe“.

Blümner redet (S. 30) vom „sog. Elektron oder Asem, wie es die Aegypter nannten“ mit Verweis auf Lepsius. Der liest ḏʿm noch als ȧsem und bestreitet jedenfalls Champollions Ansicht, dass es sich um „reines Gold“ oder „Goldstaub“ handele, vielmehr sei es „Elektrum“.

Billon

Billon (Aussprache laut Duden [bilˈjɔ̃]) ist eine Legierung aus weniger als 50% Silber und Kupfer, Zinn oder Zink. Sie entstand historisch meist durch Münzverschlechterung, d.h. dadurch, dass die Münzherren aus immer weniger Silber immer mehr Münzen desselben Nominales prägen ließen, was in der Praxis immer zum Wertverlust der Münzen führte. Seit dem 17. Jh. wurden viele Scheidemünzen aus Billon geprägt.

Das Wort kommt aus frz. CNRTL le billon1 (Aussprache [biˈjɔ̃]), und bedeutet eigentlich „Geldstück, (minderwertige) Münze“, abgeleitet wohl von CNRTL la bille, aber von welchem? CNRTL unterscheidet zwei: bille1 „« petite boule »“ („Kügelchen“) und bille2 „« tronc d'arbre » […] « pièce de bois probablement allongée » […] « bâton, baguette » („Baumstamm, längliches Holzstück, Stock, Stange“). CNRTL selbst und Wikipedia.en s.v. Billon (alloy) leiten es von 2 ab („from the French bille, which means 'log'“). Wikipedia.it s.v. Biglione von 1 („dal francese billon, la forma maggiorativa di bille (sfera)“). Wikipedia.es s.v. Vellón (aleación) lässt es für mich im unklaren („del francés billon, (moneda de menor valor), derivado de bille ("lingote")“. Wikipedia.de s.v. Billon will es von mlat. Du Cange billio „Kupfermünze, Kupfer-Silber-Münze“ ableiten. Aber ich habe den Verdacht, dass das eine Neubildung nach frz. Vorbild ist.

Blei

Symbol Pb < lat. plumbum | Ordnungszahl 82 | Dichte 11,3 | Schmelzpunkt 327 °C | Mohshärte 1,5

Von mhd. Lexer blî, -wes/-ges, ahd. AWb blî(o)/plî(o), -wes, germ. *blı̄wa- n. „Blei“; vgl. anord. blý (Vries S. 45b). Aber aengl. leád (Bosworth S. 624a),  e  lead (sprich: [led], ich höre allerdings [l​ɛd]), das Wort ist verwandt mit dt. Lot < westgerm. *lauda- „Blei“, vermutl. aus dem Kelt. entlehnt, vgl. mir. eDIL lúaide „Blei“.

Die meisten vermuten Herleitung von idg. *bhlē̆i-, bhlī- „glänzen“ (Pokorny S. 155), vgl. aengl. bleoh „Farbe, Aussehen“ (Bosworth S. 109a), lit. blývas „lila“ (nicht bei Fraenkel), vielleicht auch lit. blaĩvas „nüchtern“ (Fraenkel S. 46b), mit Formans -u̯o-, evt. über kelt. Vermittlung (Pokorny: nicht belegtes kelt. *blīu̯o- aus idg. *bhlē-u̯o- „wäre denkbar“). Lippmann (S. 577) stellt Blei zum Wort für „blau“ und rekonstruiert (wegen des gr. mólybdos, s. nächsten Absatz) ein idg. „*mliwom = blau“. Doch das dürfte eine Schimäre sein. Unser blau, ahd. AWb blâo, blaw-, germ. *blǣwa-?, geht auf idg. *bhlē-u̯o-s (Pokorny S. 160) zurück. Der Zusammenhang zwischen Blei und blau wäre für das Germ. und Kelt. denkbar, auch Schrader (S. 97) spricht sich für diese Etymologie aus. (Sie ist auch semantisch stimmig, wir bezeichnen Bleikugeln als blaue Bohnen.) Das Gr. bleibt dann aber außen vor.

Gr. μόλυβδος mólybdos (schon myk. mo-ri-wo-do?), mit stark schwankender Schreibung wie μόλιβδος, μόλυβος, μόλιβος, βόλυβδος, βόλιμος, βόλιβος (Frisk Bd. 2, S. 251), und lat. plumbum (Walde/Hofmann Bd. 2, S. 325) stammen wohl aus gemeinsamer nichtidg. Quelle. Man vermutet gerne iberischen Ursprung wegen des lusitan. Volksnamens Plumbāriī und des Inselnamens Πλουμαρία Ploumaría. Kluge/Seebold will auch das dt. Wort an das gr. anschließen: „Aus *mlib- hätte sich g[erm]. *blib- oder *bliw- ergeben können, so dass sich gr. mólibos m. und g[erm]. *blı̄wa- lautlich ausreichend nahe stehen.“ Pokorny kennt allerdings kein mlib-. Schrader (S. 96) möchte von gr. bólimos ausgehen und vergleicht bask. berún „Blei“, was für ihn ebenfalls auf Herkunft des Wortes aus Westeuropa deutet. Lat. plumbum heißt seiner Meinung nach ursprl. nur „Ziegel, Barren“, und er vermutet Urverwandtschaft mit gr. πλίνθος plínthos „Ziegel“ (Frisk Bd. 2, S. 562). Das scheint mir nicht sehr wahrscheinlich zu sein, da das gr. Wort für „Ziegel“ wohl kaum idg. Ursprungs ist (Wörter mit -νθ- wie ἀσάμινθος, λαβύρινθος, Κόρινθος werden der ägaischen Substratsprache zugewiesen).

Tschech. olovo, serbokroat. olovo / олово, poln. ołów „Blei“; aber russ. о́лово ólovo und lit. ãlavas s.u. „Zinn“. Die Herkunft ist umstritten; manche denken an ein Farbwort wie ahd. AWb elo „braungelb“, lat. albus „(matt)weiß“ (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 26), gr. ἀλφός alphós „weißer Hautausschlag“ (Frisk Bd. 1, S. 81), von idg. *albho- „weiß“ (*al- + -bh-) (Pokorny S. 30).

Russ. свине́ц svinec „Blei“ (Vasmer Bd. 2, S. 592), ebenso slowen. svinec, lit. švìnas (Fraenkel S. 1045a). Verwandtschaft mit gr. κύανος kýanos „Lapislazuli, blauer Glasfluss“ (Frisk Bd. 2, S. 37) ist zweifelhaft.

Aind. sī́sam (Uhlenbeck S. 336b) und avest. srva- (Bartholomae S. 1649a) sind unerklärt.

Hebr. עֹפֶ֫רֶת ʿop̱ǽræt „Blei“ (Gesenius S. 608b), vgl. syr. ܐܰܒܳܪܳܐ ʾaḇārâ (Payne Smith Dict. S. 2b), ass. abāru (CAD Bd. 1/1 S. 36b), sumer. ePSD2 agar (auch a-bar2 geschrieben).

Traditionellerweise wurde auch das nur Am 7,7f vorkommende hebr. אֲנָךְ ʾanāḵ als „Blei, Bleilot“ gedeutet (Gesenius S. 54a). Doch vor allem durch den Sprachvergleich hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend das Verständnis als „Zinn“ durchgesetzt: syr. ܐܳܢ݂ܟܳܐ ʾānḵâ (Payne Smith Dict. S. 21b: „Zinn“, Brockelmann S. 29a: „Blei“ und „Zinn“), ass. annaku (CAD Bd. 1/2, S. 127a: „Zinn“, Black/George/Postgate S. 18a: „Zinn; Blei“), ar. آنُك ʾānuk (Wehr S. 49b: „Blei“, Fraenkel S., Die aram. Fremdwörter im Arab., S. 153: „Zinn“), äth. ናእክ nāʾek (Dillmann Sp. 665: „Blei“ und „Zinn“), wohl auch aind. nāgam (Uhlenbeck S. 146a: „Blei, Zinn“, vielleicht durch Handelsbeziehungen nach Indien gekommen). Details s. Die Mauer aus Zinn.

Äg.
ḏḥtj, oft auch
dḥtj, „Blei“ (Erman/Grapow Bd. 5, S. 606), daher kopt. ⲧⲁϩⲧ̄ tahet ds. (Spiegelberg S. 162).

Zinn

Symbol Sn < lat. stagnum | Ordnungszahl 50 | Dichte β-Zinn 7,3 | Schmelzpunkt 232 °C | Mohshärte 1,5
Bekanntlich zerfällt das „metallische“ Zinn (β-Zinn), wenn es längere Zeit Temperaturen unter 13 °C ausgesetzt ist, zu dunkelgrauem, sprödem α-Zinn (Zinnpest).

Zinn war in der Antike das drittwertvollste Metall (nach Gold und Silber), da es zur Herstellung von Bronze benötigt wurde, aber von weither importiert werden musste. In der Antike wurde anscheinend nicht immer zwischen Blei und Zinn unterschieden, was angesichts des Wertunterschieds überrascht.

Von mhd. Lexer zin, cin, ahd. zin, cin (Schade S. 1263a); vgl. anord. tin (Vries S. 589a), aengl. tin (Bosworth S. 987b), engl.  ꬲ  tin.
Das führt auf eine urgerm. Form *tina-, deren Herkunft aber unbekannt ist. Weil in früher Zeit viel Zinn aus Cornwall kam, nimmt man häufig kelt. Ursprung an. Wenn idg. Herkunft, dann vielleicht Schwundstufe zu got. tains „Zweig, Stäbchen“ (Feist S. 473a) (weil Metall in Stabform?), was aber insgesamt nicht sehr wahrscheinlich sein dürfte.

Für gr. κασσίτερος kassíteros (Frisk Bd. 1, S. 798) wird Herkunft einerseits aus dem Elam. erwogen (< *kassi-ti-ra „aus dem Land der Kassi = Kossäer stammend“), andererseits aus dem Kelt. (vgl. den Namen Cassi-velaunus). Das Wort ist auch in andere Sprachen übernommen worden: lat. cassiterum (Neutrum wie aurum, argentum, ferrum, plumbum) (Walde/Hofmann Bd. 1, S. 178), aksl. коситеръ kositerŭ (Miklosich 133b), aind. kastīram (Uhlenbeck S. 50b), ar. قصدير qaṣdīr (Wehr S. 1030b). Aind. heißt das Zinn auch trápu (Uhlenbeck S. 117b, „unerklärt“).

Laut Holder (Bd. 1, Sp. 824) ist kelt. cassi- aus *cad-ti- „ausgezeichnet, überlegen, schön“, nach Thurneysen zu ir. eDIL cas „gelockt“.

Die Römer bezeichneten Zinn als plumbum album (oder candidum) „weißes Blei“ (i.Ggs. zu plumbum nigrum „schwarzes Blei“ = Blei) oder verwendeten das gr. Fremdwort cassiterum (s. vorigen Absatz). Die meisten Wörterbücher (Lexer, Bosworth, Schade, Dillmann) verwenden aber stannum (bzw. richtiger stagnum) (Walde/Hofmann Bd. 2, S. 585), das aber ursprl. „Werkblei“ bezeichnete, d.i. Rohblei, dem noch eine gewisse Menge anderer (Halb-)Metalle, hauptsächlich Silber, beigemengt ist. Die Wurzel ist nach Pokorny idg. *stag- „tröpfeln“ (Pokorny S. 1010 (im Sinne von „das Getropfte, leicht Schmelzbare“?). Walde/Hofmann stellt es zu gr. σταφυλή „Weintraube; Bleilot“ (Frisk Bd. 2, S. 778) und nennt als mutmaßliche Wurzel idg. *stagh-. Doch beide ziehen auch Entlehung aus dem Kelt. in Betracht. Vgl. auch kymr. (y)staen (GPC S. 3860a), air. eDIL stán (aus dem Lat.?, daneben vielleicht auch ir. eDIL créd).

Die roman. Sprachen erweisen die Form stagnum als die ursprüngliche: it. ETIMO il stagno [-aɲ-], frz. CNRTL l'étain m., span. DLe el estaño, port. o estanho.

Daneben gibt es aber noch it. ETIMO il peltro „Hartzinn“ (Legierung aus ca. 90 % Zinn und Kupfer, Antimon, Wismut, früher vor allem Blei), span. DLe el peltre, afrz. le peautre (auch espeautre, im FEW unter *pĭltrum), davon engl.  ꬲ  pewter. Hierher gehört wohl auch das veraltete nhd. DWb spiauter „Zink“ (nicht „Zinn“!). Die weitere Herkunft des Wortes ist ungeklärt.

Tschech. cín laut Rejzek (S. 104) aus dem Mhd.; serbokroat. kositar / коситар und slowen. kositer von s.o. gr. kassíteros; serb. aber eher калај = türk. kalay. So auch bulg. калай, alban. kallaj, ngr. καλάι (aber hier „Lötzinn“ oder „Hartzinn“, „Zinn“ im allgemeinen ist wie im Agr. κασσίτερος). Dessen Ursprung ist nach Schrader (S. 995) „der Stadtname Qualah auf Malakka, ein Centralpunkt des ostasiatischen Handels und Hauptstapelort des Zinnes“. (Damit ist wohl Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias, gemeint.) Aber wahrscheinlicher ist ar. قَلْعِي qalʿî? qalaʿijj „Zinn“ (Freytag Bd. 3, S. 490b, Steingass Arab. S. 853b) (R. Roth, mitgeteilt bei Hofmann S. 543a, s.o. Lit. zu Zink).

Russ. о́лово ólovo (Vasmer Bd. 2, S. 264), lit. ãlavas (Fraenkel S. 6b), s.o. olovo.

Hebr. בְּדִיל bedîl bedeutet „Schlacke, ausgeschiedenes unedles Metall“, dann aber „Zinn“ (z.B. Ez 27,12) (Gesenius S. 84b; ob wirklich von בדל bdl „(sich) trennen, scheiden“?). Daneben wird seit einiger Zeit s.o. אֲנָךְ ʾanāḵ als „Zinn“ gedeutet.

Ar. neben قصدير qaṣdīr (s.o kassíteros) auch رَصَاصٌ raṣâṣ(un) (Freytag Bd. 2, S. 154a noch „Blei und Zinn“).

Wohl ziemlich veraltet ist, was Lippmann (und tw. Schrader) zum Wort für Zinn im Zweistromland sagen: „bei den Akkadern war der Name des Zinns anna oder naga“ (Lippmann S. 579, Schrader S. 995). Gemeint ist vermutlich sumer. ePSD2 anna „Zinn“ und/oder „Blei“. (Wie die im ePSD2 verlinkten Dokumente zeigen, wird das Wort auch nagga geschrieben, so hat es auch Delitzsch S. 197; vielleicht ist anna eine Entlehung aus dem Akkad.) Weiter: „außerdem gebrauchten aber diese Völker noch einen anderen, der bei den ersteren [den Akkadern = Sumerern] ik-kasduru, bei den letzteren [den Assyrern] kâzazatira lautet“ (Lippmann S. 579, ebenso S. 581). Schon Schrader sagt (S. 993), dass sich diese Wörter (die ich in den Wörterbüchern auch nicht finde) als nicht haltbar erwiesen haben.

Äg. s.o. ḏḥtj/dḥtj „Blei“ bezeichnet nach Müller vermutlich auch „Zinn“. Müller hat in einem Papyrus „dḥtï ḥṣ“ gefunden – das ist nach heute gängiger Transkription dḥtj ḥḏ „weißes Blei“ –, was nach seiner Ansicht nichts anderes als Zinn sein kann. (Lippmann S. 580 schreibt: „‚dhti techt‘ = ‚Blei, weißes‘“. Aber techt heißt nicht „weiß“; ich kann nur vermuten, dass es das kopt. Wort für Zinn sein soll.)

Im Kopt. gibt es auch noch ⲑⲣⲁⲛ thran „Zinn“ (Spiegelberg S. 151) aus demot. tren (Griffith, Dem. Mag. Pap. Bd. 3, S. 94, Nr. 1024) bzw. hierogl. (nach Spiegelberg)
trn, trwjwnw? (nicht bei Erman/Grapow); und ⲃⲁⲥⲛⲉϭ basneǧ ds. (Spiegelberg S. 19). Bei -neǧ denkt Müller an hebr. s.o. ʾanāḵ, kann aber mit bas- nichts anfangen.

Zink

Symbol Zn < engl. zinc? | Ordnungszahl 30 | Dichte 7,1 | Schmelzpunkt 420 °C | Mohshärte 2,5

Zink wurde zur Erzeugung von Messing benötigt. Doch kannte man in der Antike das metallische Zink nicht, weil gediegenes Zink ganz selten ist (entsprechende Lagerstätten sind erst seit der Neuzeit bekannt). Bekannt waren Mineralien, von denen wir heute wissen, dass sie Zink enthalten.

Das dt. Wort Zink ist erstmals belegt bei Paracelsus 1526/27 in der Form zinken m. (Der öfter genannte Basilius Valentinus dürfte von Paracelsus abhängen.) Meist wird angenommen, das sei von Zinke f. (= „Zacke, Spitze“) bzw. Zinken m. ds. (nach dem Duden aber zwei verschiedene Wörter) hergeleitet, da das Metall (bzw. die Schlacke) zackenförmig erstarrt. (Zinken ist k-Ableitung zur Wurzel idg. *(e)dont- „Zahn“, Pokorny S. 289; vgl. lat. dens, dentis < *dn̥t-s.) Diese Herleitung hält Kluge/Seebold für unwahrscheinlich und geht von Lautmalerei aus (heller Klang beim Anstoßen des Metalls). Ebenso lehnt er die Herleitung von der in ar. Aufzählungen von Metallen vorkommenden Bezeichnung حديد الصيني ḥadîd aṣ-ṣînî „chinesisches Eisen“ ab. Ein sīnī wäre schwerlich im Dt. zu Zink geworden. Wohl auch kaum zu ahd. cinco (Schade S. 1281b), mhd. Lexer zinke „weißer Fleck im Auge, Leukom“. (Dt. s.o. Spiauter ist veraltet.)

Viele moderne Sprachen haben ihr Wort für Zink aus dem Dt. übernommen: engl.  ꬲ  zinc, it. ETIMO lo zinco, frz. CNRTL le zinc [zɛ̃g], span. DLe el zink, cinc, kroat. cink, tschech. zinek (Doppelkonsanz am Ende aufgebrochen wie in Marek, Karel usw.), russ. цинк tsink (Vasmer Bd. 3, S. 292), lit. cìnkas (nicht bei Fraenkel), ar. زِنْك zink (Wehr S. 532a).

Aber ngr. ο ψευδάργυρος pseudárgyros [psɛvðˈarjirɔs] „Falsch-, Scheinsilber“ (so auch einmal bei Strabon, womit nach manchen Zink gemeint sei, was Lippmann und Hofmann aber bestreiten), neben ο τσίγκος tsíŋgos; nhebr. אָבָץ avats ist nach Klein S. 4a abgeleitet von aram. אֲבָצָא ʾaḇaṣâ „Zinn“ (Levy S. 6b), vgl. ar. بَاضَ bâḍa II „weiß machen“ (Wehr S. 127a), ابيض ʾabjaḍ „weiß, hell“ (Wehr S. 128a) (neben צִינְק tsînq).

Pers. روی ruj von mpers. rōy (geschrieben lwd, manich. rwy) „Kupfer, Messing“ (MacKenzie S. 72), zu avest. raoiδita- „rot, rötlich“ (Bartholomae S. 1495a); vgl. lat. raudus, -eris (auch rōdus, rūdus) „formloses Erzstück“ (Walde/Hofmann Bd. 2, S. 420), wohl nicht zu lat. rudis „roh“, sondern idg. *reudh- „rot“ (Pokorny S. 872), hierher wohl auch aind. lohás „rötlich; (rötliches Metall:) Kupfer, Eisen“ (Uhlenbeck S. 266a), anord. rauði „rotes Eisenerz“ (Vries S. 434b „Rasenerz“), akls. ruda „(rotes Erz:) Metall“ (Miklosich S. 284a s.v. rŭd), russ. руда́ rudá „Erz“ (Vasmer Bd. 2, S. 544), so auch tschech. poln. kroat. slowen. ruda „Erz“. Vries spekuliert, ob bei anord. rauði ein germ. Wort vorliegt oder eine Entlehnung aus dem Lat. oder Illyr. Pokorny denkt bei lat. raudus an Entlehnung aus dem Gall. oder Illyr.

Gr. καδμεία, καδμία kadmeía, kadmía (nicht bei Frisk, der Name Kádmos s.v. κέκασμαι Bd. 1, S. 811) und lat. cadmēa, cadmīa, cádmia (nicht bei Walde/Hofmann) „Galmei“, d.i. zinkhaltiges Mineralgemenge, insbes. Zinkcarbonat (Smithsonit), Zinksilikat (Hemimorphit), aber anscheinend auch Zinkoxid, das beim Verhüttungsprozess als Hüttenrauch oder Ofenbruch anfällt (Ofengalmei). Der Name laut Chantraine nach Kadmos, dem Gründungsheros von Theben, das ja auch den Namen Kadmeía „die Kadmos gehörige“ trägt. Der Name sei auf Galmei übertragen worden, weil man es nahe Theben fand: „kadmische = thebanische (Erde)“. Hingegen spricht Schrader von dunkler Herkunft.

Die antike Fachliteratur nennt noch weitere Erze, bei denen aber im Detail nicht klar ist, worum genau es sich handeln könnte: πυρίτης pyrítēs, χαλκῖτις chalkítis, μίσυ mísy, σῶρυ sṓry u.a. Die modernen Ausleger verhandeln zwischen Zinkspat (Zinkcarbonat), Zinkblende (Zinksulfid), Eisen- oder Schwefelkies (Pyrit, Eisendisulfid), Kieselgalmei (Zinksilikat), Kupfervitriol (Kupfersulfat) u.a.m.

It. und span. la calamina, frz. la calamine, davon engl.  ꬲ  calamine, von mlat. Du Cange calamina „Galmei“, welches entweder auf lat. calamus „Schilfrohr“ zurückgeht (wegen der länglichen Form, in der es sich im Kamin absetzt) oder alchemist. Verballhornung von lat. cadmia ist. Karabacek legt die Verballhornung den Arabern zur Last, die über folgende Stufen gelaufen sein soll: ar. قدميا qadmejâ > قلميا qalmejâ > قليميا? qalîmijâ > قليمنا? qalîminâ (die Fragezeichen wegen der für mich nicht verständlichen Ligaturen) > lat. lapis calaminaris. Allerdings nennt er keinerlei Quellen; Skepsis erscheint angebracht.

Mlat. Du Cange tutia „cadmia“ und mgr. τουτία toutía (Du Cange Graec. Sp. 1592), aus ar. توتياء tûtijâʾ (auch توتيا tûtijâ, توتياة tûtija) „Zink“ (Wehr S. 146b), nach einigen auch „Zinkoxid“, von aind. tuttham „blauer Vitriol“ (d.i. Kupfersulfat, angeblich verwendet für Augentropfen) (Uhlenbeck S. 113b). Daher span. DLe tutía / atutía „Ofenbruch, Zinkoxid“ (verwendet für Augentropfen), frz. CNRTL la tutie ds., daraus engl. ['w] tutty ds.
Aus dem aind. tuttham wird über tamil. tûtûnâgam „Zink“ (R. Roth, mitgeteilt bei Hofmann S. 543a) unser Tut(t)anego „Zink“ (veraltet), frz. toutenague.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 22. März 2026