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Vor der fatalen Fee gefeit
Das lat. Deponens (nur im Passiv gebräuchliches Verb) *for, fārī, fātus sum bedeutet „sagen, weissagen“. Das substantivierte Part. Perf. Passiv fātum, -ī n. (wörtl. „Gesagtes“) bedeutet „Götterspruch, Weissagung“, aber auch „Schicksal, Geschick“, nicht selten negativ als „Missgeschick, Unheil, Verderben, Tod“. Das Adj. dazu, fātālis, -e, bedeutet neutral „vom Schicksal verhängt, des Schicksals“ und negativ „verhängnisvoll, verderbenbringend“. Das dt. fatal hat nur noch die negative Bedeutung bewahrt.

| Quelle: | Wikimedia |
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| Bearb.: | etwas beschnitten, verkleinert, nachgeschärft |
Das Schicksal konnte von den Römern als personifizierte Macht gesehen werden, die fāta „Schicksale, Schicksalsmächte“ waren möglicherweise ein Synonym für die Parcae „Schicksalsgöttinnen, Parzen“ (so sagen es die etymolog. Wörterbücher des It. und Frz., ich kenne allerdings keine Belege dafür). Am naheliegendsten ist die Annahme, dass aus dem lat. Neutr. Pl. ein it. (fata) bzw. afrz. (fae) Fem. Sg. im Sinne eines übernatürlichen Wesens und/oder einer Zauberin geworden ist (vgl. lat. folium > it. la foglia, d.h. lat. Neutr. wird it. Fem.).
Im 12. Jh. ist das Wort als fei(e) aus dem Frz. ins Mhd. gelangt, aber später wieder verlorengegangen. Davon wurde aber ein Verbum feien „durch Feen-Zauber schützen“ abgeleitet, das noch als Part. gefeit „geschützt“ und als Subst. (stille) Feiung „(Immun-)Schutz“ (nach unbemerkt durchgemachter Infektion) gebräuchlich ist.
Ende des 17. Jh. entstand in Frankreich das Genre des conte de(s) fées
„Feen-Erzählung“. Im 18. Jh. wurden diese Geschichten ins Dt. übersetzt, aus
der frz. fée wurde die dt. Fee.
La fée verte „die grüne Fee“ ist eine Umschreibung für den Absinth,
eine hochprozentige Spirituose.
Im Engl. wurde afrz. faerie (fae + Suffix -erie, nfrz. féerie „Zauber, märchenhaftes Schauspiel“) entlehnt als faerie „Zauberei, Zauber-, Feen-Reich“. Das moderne engl. fairy bezeichnet ein Wesen dieses Zauberreiches, die Fee. Engl. fairy tale wie auch die frz. conte de fées (beides wörtl. „Feenerzählung“) bedeuten heute soviel als „Märchen“.
Das frz. fée und das engl. fairy sind umfassender als das dt. Fee, sie schließen auch Naturgeister, die wir im Dt. als Elfen bezeichnen, und ihnen verwandte Wesen mit ein.
Die literarisch bedeutsamste Fee ist wohl Morgana.

| Quelle: | Wikipedia |
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| Bearb.: | beschnitten, aufgehellt, verkleinert |
Der älteste literarische Beleg ist die Geoffrey von Monmouth (ca. 1095/1100-1155) zugeschriebene Vita Merlini. Darin wird von einer Apfelinsel (insula pomorum, V. 908), einer Art Insel der Seligen berichtet, die von neun Schwestern regiert wird. Die herausragendste unter ihnen ist die zauber- und heilkundige Morgen (V. 920ff). Auf diese Insel wird der in der Schlacht tödlich verwundete König Artus gebracht (V. 929f).
Im Roman Erec und Enide des Chrétien de Troyes (ca. 1140-1190)
wird der verwundete Erec mit einem zauberischen antret/entrait
(Foerster: „Wundpflaster“, Dictionnaire Électronique de Chrétien de Troyes:
„Salbe“) behandelt, das Morgue, die Schwester des Königs Artus bereitet hat
und jede Verwundung rasch heilt (V. 4219ff). In V. 1957 wird Morgue (im Akk.
Morgain, Morgant) als la fee bezeichnet.
Im Yvain spricht die Herrin von Noroison von einer Salbe, die ihr
Morgue, la sage „Morgan(a), die Weise“ gegeben hat und die Yvains
Wahnsinn kurieren kann (V. 2952-55).
In Wolfram von Eschenbachs (ca. 1160/80-1220) Parzival hinterlässt Gahmuret seiner schwangeren Frau einen Brief, in der er sie über seine Vorfahren aufklärt: sein Urahn hieß Mazadân, „den führte eine Fee nach Feimurgân, sie hieß Terre da la joie“ (den fuort ein feie in Feimurgân:/ diu hiez Terdelaschoye, 1,56,18f). Hier liegt offenbar eine Verwechslung von Personen- und Landesnamen vor: die Fee hieß Feimurgan (Fee Morgana), ihr Land „Land der Freude“. Ein anderer Ritter dieses Ahns war König Vergulaht, „sein Geschlecht sandte Mazadân vom Berg Fâmorgân: er stammte von der Fee ab“ (sîn geslähte sante Mazadân/ für den berc ze Fâmorgân:/ sîn art was von der feien, 8,400,7-9; s.a. 9,496,7f).
In späteren Versionen der Artussage, z.B. in Thomas Malorys (um 1405/15-1471) Le Morte Darthur wird Morgana zur zeitweisen Gegenspielerin ihres Halbbruders Artus (z.B. 5(4),11: How Accolon confessed the treason of Morgan le Fay, king Arthur's sister, and how she would have done slay him). Sie wird so zu einer zwiespältigen, oft böswilligen Fee.
Die gelegentlich versuchte Herleitung der Gestalt der Fee Morgana von dem kelt. weiblichen Dämon Morríga(i)n ist fraglich. Kann sein, dass Züge der Morrígan auf Morgana übertragen wurden. Doch der Name der Morrígan ist irisch: „Geisterkönigin“, aus mir. mor < idg. *morā „Alp, Gespenst“ (Pokorny S. 736), vgl. nhd. (Nacht-)Mahr „Nachtgespenst“, engl. night-mare, + air. rígain „Königin“, vgl. lat. rēgīna; ursprl. vielleicht Mórrígan „Große Königin“, von air. már, mór „groß“ < idg. *mē-ro-, *mō-ro- ds. (Pokorny S. 704). Der Name der Morgana ist wohl walisisch, vermutlich abgeleitet von mwal. mor „Meer“ < idg. *mori, mōri „Meer, stehendes Gewässer, Sumpf“ (Pokorny S. 748), vgl. lat. mare „Meer“, nhd. Meer und Moor.

| Quelle: | Wikimedia |
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| Urheber: | User:Timpaananen, 2013 |
| Lizenz: | CC BY-SA 3.0 |
| Bearb.: | Kontrast erhöht, geringfügig beschnitten, verkleinert |
Die Normannen brachten die Artussage aus Frankreich nach Apulien und Sizilien. Im It. heißt die Fee Fata Morgana. Ihr wurden die Luftspiegelungen zugeschrieben, die vor allem in der Straße von Messina beobachtet wurden. So wurde die Fee zur Namensgeberin für das Phänomen der Luftspiegelung. Viele meinen, eine Fata Morgana sei eine Halluzination. Aber sie ist ein optisches Phänomen, das man fotografieren kann. Sie ist vielleicht der Ursprung der Sage vom Fliegenden Holländer und wahrscheinlich auch die Ursache vieler Ufo-Sichtungen.
Im Frz. und Engl. heißt das Phänomen mirage [miˈraːʒ] „Luftspiegelung, Trugbild, Illusion“, abgeleitet von frz. mirer „betrachten“, refl. „sich im Spiegel betrachten, sich spiegeln“ < lat. mīror, -ārī „sich wundern, bewundern, bestaunen“. Die Fata Morgana ist dort eine spezielle Form der Luftspiegelung.
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Letzte Aktualisierung: 15. Dez. 2025