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Edda
Edda
Wer sich mit Dichtung mythologischen Inhalts beschäftigt, wird
zunächst mit einer großen Zahl von Namen und Begriffen, die dem Neuling nichts
sagen, konfrontiert. Wer etwa Ilias liest (z.B. in der
Wiedergabe
von Johann Heinrich Voß), wird schon in den ersten Versen mit der Frage
konfrontiert, was ein Peleiade ist, was Achaier sind, wer Aïs ist, wer Atreus'
Sohn. So erging es mir anfangs mit der Edda. Daher hier eine Zusammenfassung
einiger Namen und Begriffe.
Es gibt zwei Werke, die den Namen Edda tragen:
- Die manchmal noch als Sæmundar-Edda bezeichnete, da sie
dem isländischen Priester und Gelehrten Sæmundur Sigfússon (1056-1133) zugeschrieben
wurde. Sie enthält nordische Mythen, Sagen und Weisheitsdichtung in gebundener
Form (daher auch Lieder-Edda genannt). Der wichtigste Textzeuge
ist der um 1270 geschriebene Codex Regius GkS
nr. 2365 (ursprl. Kopenhagen, heute Reykjavík). Wegen der Zuschreibung an
Sæmundur heißt sie auch Ältere Edda.
- Die sog. Snorra-Edda, benannt nach ihrem Verfasser, dem
isländischen Dichter Snorri Sturluson (1179-1241). Sie enthält eine Kompilation
nordischer Mythen und Sagen in Prosa (daher auch Prosa-Edda
genannt), dazu eine dichtungstheoretische Abhandlung und ein Verzeichnis von
Vers- und Strophenformen. Obwohl sie schon in den 1220er Jahren entstanden
ist und somit älter ist als der Codex Regius, heißt sie auch Jüngere
Edda.
Zur Bedeutung des Wortes edda referiert de Vries vier
Etymologien. 1.: von óðr „Poesie, Dichtung“ (hier im Sinne von „Poetik,
Dichtungslehre“); wegen des Wechsels von langem o zu kurzem e
lautlich unbefriedigend. 2: von dem Ortsnamen Oddi in Südisland, einem
mittelalterlichen Zentrum der Gelehrsamkeit. 3.: Kürzung aus eddumál
„Großmuttergedicht“ o.ä. zum Homonym edda „Großmutter“. 4.: zu einem
Part. *eddr „geehrt“ (vgl. ahd. ēra „Ehre, Würde“), im Sinne
von „Buch über Ehrwürdiges“. Die Wikipedia fügt eine weitere hinzu: von lat.
edere „herausgeben, hervorbringen, erzeugen“, im Sinne von „dichten“.
- Edda. Wikipedia.de
- Snorra-Edda. Wikipedia.de
- Die Lieder der
älteren Edda (Sæmundar Edda). Hrsg. v. Karl Hildebrand [u. Theodor Möbius].–
Paderborn: Schöningh, 1876
- Edda. Die Lieder des Codex Regius nebst verwandten Denkmälern. Hrsg. v.
Gustav Neckel. 5., umgearb. Aufl. v. Hans Kuhn.– Heidelberg: Winter, 1983.
Digitalisat
bei Titus (David Stifter, Sigurdur H. Palsson u.a.)
- Die Edda. Götter- und Heldenlieder der Germanen. Nach d. Handschrift des
Brynjólfur Sveinsson [=Codex Regius]. Übertr. v. Karl Simrock.– München: Anaconda-Verl.
2025. (Erstmals erschienen 1851)
- Die Edda. Die
ältere und jüngere nebst d. mythischen Erzählungen der Skalda. Übers. u.
m. Erl. begleitet v. Karl Simrock.– 2., vermehrte u. verbeßerte Aufl. Stuttgart,
Augsburg: Cotta, 1855
- Die Edda.
Götterdichtung, Spruchweisheit u. Heldengesänge d. Germanen. Übers. v.
Felix Genzmer.– [Düsseldorf: Diederichs, 1981]
- The Elder
or Poetic Edda. Commonly known as Sæmund's Edda. T. 1: The mythological
poems.– Hrsg. u. übers. m. Einf. u. Anm. v. Olive Bray.– London: Viking Club,
1908
- The poetic Edda.
Aus d. Isländ. übers. m. Einl. u. Anm. v. Henry Adams Bellows.– New York: The
American-Scandinavian Found., London: Milford, Oxford: Univ. Pr., 1923.
(Scandinavian Classics, Bd. 21 u. 22)
- Wörterbücher und Grammatik s. Altnordisches
Alphabet
Die Lieder-Edda habe ich in der Übertragung des deutschen Philologen Karl
Simrock (1802-1876) wohlfeil (€ 9,99) erworben. Um die soll es daher im folgenden
gehen.
Die Lieder
Viele anord. mask. Namen enden im Nom. auf -r. Bei der Wiedergabe im Dt. ist
es üblich, dieses -r wegzulassen, wenn es auf einen Kons. folgt: aus Þrymr
wird Thrym, aus Rígr wird Rig, aus Hárbarðr
wird Harbard usw. (aber Fafnir, Grimnir usw.). Ich
habe das meist so übernommen.
Akv.
Alv.
Am.
Bdr.
Br.
Dr.
Fm.
Gdhr.I
Gdhr.II
Gdhr.III
Ghv.
Grm.
Grp.
Hav.
Hdl.
HH.
HH.II
HHv.
Hlr.
Hm.
Hrbl.
Hym.
Ls.
Od.
Rm.
Rth.
Sd.
Sf.
Sg.
Skm.
Thrk.
Vkv.
Vm.
Vsp.
Öfter vorkommende anord. Wörter in den Liedtiteln sind:
- spá f. „Prophezeiung“, verwandt mit lat. speciō „sehen“,
dt. spähen
- mál n. „Versammlung; Sprache; Rede, Spruch, Erzählung, Lied“
- kviða f. „Gedicht, Ballade“
- galdr m. „Zauberlied“
- ljóð n. „Strophe, Lied“
- fyrstr (f. fyrsta) „erster“, verwandt mit engl.
first und dt. Fürst
- annarr (f. ǫnnor, önnur) „anderer (von zweien),
zweiter“
- þriði (f. þriðja) „dritter“
- inn, enn (f. in) best. Artikel „der, die“ vor Adj.
Nicht im Codex Regius enthaltene Lieder sind mit * gekennzeichnet.
- Völuspâ
(Vǫluspá, Vsp.) „der Seherin Weissagung“ (anord. vǫlva f.
„Wahrsagerin“)
- Grimnismâl
(Grímnismál, Grm.) „Lied von Grimnir“
- Vafthrûdhnismâl
(Vafþrúðnismál, Vm.) „Lied von Vafthrudhnir“
- *Hrafnagaldr Ôdhins (Hrafnagaldr Óðins) „Odins Rabenzauber“
(anord. hrafn m. „Rabe“, verwandt mit lat. corvus ds.,
crepō „tönen, krachen, knarren“)
- *Vegtamskvidha
(Vegtamskviða) „Ballade von Vegtam“ oder Baldrs draumar
(Bdr.) „Baldurs Träume“ (anord. draumr „Traum“)
- Hâvamâl
(Hávamál, Hav.) „des Hohen Sprüche“ (anord. hávi „der Hohe“,
schwache Form von hár „hoch“ < urnord. *hauhaʀ, vgl. got.
hauhs, dt. hoch; mál hier wohl Pl.).
Darin Loddfáfnismál „Loddfafnirs Lied“ und Rúnatal þáttr Óðinn
„Odins Runengespräch“ (anord. rún f. „Geheimnis; Zauberzeichen, Rune“;
anord. tal n. „Zahl; Rede, Unterredung, Gespräch“; anord. þáttr
m. „Draht, Faden; Abschnitt, Teil; kurze Geschichte“)
- Harbardhsliodh
(Hárbarðslióð, Hrbl.) „Lied von Harbard“
- Hymiskvidha
(Hymiskviða, Hym.) „Ballade von Hymir“
- Oegisdrecka
„Oegirs Trinkgelage“ (anord. drekka f. „Trinkgelage, Trank“, als Verbum
„trinken“, vgl. got. drigkan, dt. trinken) oder
Lokasenna (Ls.) „Lokis Streitreden“ (anord. senna f. „Rede,
Wortstreit“)
- Thrymskvidha
(Þrymskviða, Thrk.) „Ballade von Thrym“ oder Hamarsheimt
„Hammers Heimholung“ (anord. hamarr m. „Stein, Fels; Hammer“; anord.
heimta „heimholen; (ein)fordern“)
- Alvîssmâl
(Alvíssmál, Alv.) „Lied von Alvis“
- Skîrnisför
(Skírnisfǫr, Skm.) „Skirnirs Fahrt“ (anord. fǫr f. „Reise,
Fahrt“)
- *Grôgaldr
(Grógaldr) „Groas Zauberlied“ (anord. galdr m. „Zauberlied“)
- *Fiölsvinsmâl
(Fjǫlsvinnsmál) „Fjölsviðrs Sprüche“. Seit dem Ende des 19. Jh. ist
es üblich, Grôgaldr und Fjǫlsvinnsmál unter dem Titel Svipdagsmál
„Svipdags Lied/Sprüche“ zusammenzufassen.
- *Rîgsmâl
(Rígsmál) „Lied von Rig“ oder Rígsþula (Rth.) ds. (anord.
þula f. „Rhapsodie, Ballade“)
- *Hyndluliodh
(Hyndlulióð, Hdl.) „Lied von Hyndla“
- Völundarkvidha
(Völundarkviða, Vkv.) „Ballade von Völundr (Wieland)“
- Helgakvidha
Hjörvardhssonar (Helgakviða Hjörvarðssonar, HHv.) „Ballade von
Helgi Hjörvardsson“
- Helgakvidha Hundingsbana in fyrri (Helgakviða Hundingsbana in
fyrri, HH.) „die frühere Ballade von Helgi dem Hundingstöter“ (anord.
bani m. „Tod; Mörder“; anord. fyrri „früher“)
- Helgakvidha Hundingsbana önnur (Helgakviða Hundingsbana ǫnnor,
HH.II) „andere/zweite Ballade von Helgi dem Hundingstöter“
- Sinfiötlalok (Sinfiǫtlalok, Sf.) „Sinfiötlis Ende“ (anord. lok
n. „Schluss, Ende“, verwandt mit dt. Loch?)
- Sigurdharkvidha Fafnisbana fyrsta edha Grîpisspâ (Sigurðarkviða Fafnisbana
fyrsta eða Grípisspá, Grp.) „erste Ballade von Sigurd dem Fafnirstöter
oder Gripirs Weissagung“ (anord. eða „oder“)
- Sigurdharkvidha
Fafnisbana önnur (Sigurðarkviða Fafnisbana ǫnnor) „andere/zweite
Ballade von Sigurd dem Fafnirstöter“ oder Reginsmál (Rm.) „Lied von
Reginn“
- Fafnismâl
(Fáfnismál, Fm.) „Lied/Reden von Fafnir“
- Sigrdrîfumâl
(Sigrdrífomál, Sd.) „Lied von Sigrdrifa“
- Brot af Brynhildarkvidhu (Brot af Brynhildarkviðu, Br.) „Bruchstück
einer Ballade von Brünhild“ (anord. brot n. „Bruch, Bruchstück“;
anord. af „von, aus“, verwandt mit engl. of und dt. ab)
- Sigurdharkvidha Fafnisbana thridhja (Sigurðarkviða Fafnisbana
þriðja) „dritte Ballade von Sigurd dem Fafnirstöter“ oder Sigurðarkviða
in skamma (Sg.) „die kurze Ballade von Sigurd“ (anord. skammr
„kurz“)
- Helreidh Brynhildar (Helreið Brynhildar, Hlr.) „Brünhilds
Totenreichfahrt“ (anord. hel f. „Totenreich“, verwandt mit engl.
hell sowie dt. Hölle und (ver)hehlen „verbergen“;
anord. reið f. „Ritt; Fahrt; Reise“)
- Gudhrûnarkvidha fyrsta (Guðrúnarkviða fyrsta, Gdhr.I)
„erste Ballade von Gudrun“
- Drâp Niflunga (Dráp Niflunga, Dr.) „Tötung der Nibelungen“
(anord. dráp n. „Totschlag, Tötung“)
- Gudhrûnarkvidha önnur (Guðrúnarkviða ǫnnor, Gdhr.II)
„andere/zweite Ballade von Gudrun“
- Gudhrûnarkvidha thridhja (Guðrúnarkviða þriðja, Gdhr.III)
„dritte Ballade von Gudrun“
- Oddrûnargrâtr (Oddrúnargrátr, Od.) „Oddruns Weinen“ (anord.
grátr m. „Weinen“)
- Atlakvidha
(Atlakviða, Akv.) „Ballade von Atli“
- Atlamâl in
Groenlenzku (Atlamál in grǿnlenzku, Am.) „das grönländische Lied
von Atli“
- Gudhrûnarhvöt (Guðrúnarhvǫt, Ghv.) „Gudruns Aufreizung“
(anord. hvǫt f. „Aufreizung“)
- Hamdismâl
(Hamðismál, Hm.) „Lied von Hamdir“
Personengruppen
- Asen: anord.
áss „Gott, Ase“, Göttergeschlecht der nord. Mythologie; die bekanntesten
sind Odin und Thor.
- Wanen: anord. vanr
„Wane“, Göttergeschlecht, das vor allem mit Ackerbau und Fruchtbarkeit in
Verbindung steht.
- Alben/Alfen, Elben/Elfen:
anord. alfr „Albe, Elf, Elbe“, Naturgeister, in der Lieder-Edda öfters
neben den Asen genannt. (Snorri unterscheidet zwischen Lichtalben und Dunkelalben.)
- Joten, Jötnar:
anord. jǫtunn „Riese“
- Thursen:
anord. þurs „Riese, Unhold“
- Walküren: anord.
valkyrja „Walküre, Furie, Zauberin“ (aus valr m. „Toter auf
dem Schlachtfeld“ und kjósa „wählen, wünschen“, also „die die Toten
auswählt“?), Schlachtjungfrauen im Gefolge Odins, die im Kampf Gefallene nach
Walhall führen.
- Nornen: anord. norn f.
„Schicksalsgöttin“ (vielleicht „Raunende“), nach der Vsp. gibt es deren drei:
Urd, anord. Urð (zu urðr f. „Schicksal“), Verdandi, anord.
Verðandi (Part. Präs. von verða „werden, geschehen“) „das
Werdende“, und Skuld, anord. ds. (skuld f. „Schuld; Zukunft“, zu
skulu „sollen“) „was sein soll, Zukunft“. Sie sind vergleichbar den
röm. Parzen und griech. Moiren.
- Einherjer: anord.
einheri „der allein kämpft“ (zu herja „Krieg führen“), die
in Walhalla lebenden ehrenvoll im Kampf Gefallenen
Personen
- Odin, anord. Óðinn,
südgerm. Wōdan, seit Richard Wagner dt. Wotan, ist der Hauptgott
der nordischen Mythologie. In der Edda ist er Göttervater, Kriegs- und Totengott,
Gott der Dichtung und der Magie. Er hat nur noch ein Auge, das andere hat er
für sein seherisches Wissen verpfändet. Nach ihm ist engl. Wednes-day
benannt, da er offenbar mit dem lat. Mercurius gleichgesetzt wurde.
- Thor, anord. Þórr,
älter þunarr, ahd. Donar, eigtl. „Donner“ (vgl. lat. tonāre
„donnern“), ist ursprl. ein Wettergott. In der Edda ist er Beschützer Midgards,
Sohn des Odin und der jǫrð „Erde“. Manchmal wird er als starker Esser
(ähnlich wie Herakles) geschildert. Nach ihm ist engl. Thurs-day und
dt. Donners-tag benannt, da er mit dem lat. Iuppiter gleichgesetzt
wurde (s. Die Namen der Wochentage).
Sein wesentliches Attribut ist sein Hammer Mjölnir
(anord. Mjǫllnir, viell. verwandt mit russ. мо́лния molnija
„Blitz“).
- Loki ist eine mythologische
Gestalt, keine Gottheit, die verehrt wurde. Er ist streitsüchtig und hinterlistig
und wird bei Ragnarök gegen die Asen kämpfen.
- Tyr, anord. Týr
(Gen. Týs), ahd. *Ziu, Zio (in ziestac „Dienstag“),
ist Gott des Kampfes. Nach ihm ist engl. Tues-day benannt, da er mit
dem lat. Mars gleichgesetzt wurde. Nach der Lieder-Edda ist er der Sohn des
Riesen Hymir, nach der Prosa-Edda der Sohn Odins. Der Fenris-Wolf hat ihm die
rechte Hand abgebissen, Tyr muss einhändig kämpfen.
- Frigg, südgerm. wohl
*Frija, ist die Gattin Odins und Schützerin der Ehe und des Herdfeuers.
Nach ihr ist engl. Fri-day (< aengl. frigedæg), dt.
Frei-tag (< ahd. frî(j)atag) benannt, da sie offenbar
mit der lat. Venus gleichgesetzt wurde.
- Freya, anord. Freyja
„Herrin“ (Fem. zu anord. freyr „Herr“), ist Göttin der Liebe und
Fruchtbarkeit. Sie entstammt den Wanen, lebt aber in Asgard. Da es keine
südgerm. Entsprechung zu geben scheint und sich ihre Funktionen mit denen der
Frigg überschneiden, ist Freya vielleicht ursprl. eine Abspaltung der Frigg.
- Balder, anord. Baldr,
als Appellativ „widerspenstig, trotzig, tapfer“, ist ein Gott ohne klar
erkennbare Funktion. Er ist fast unverwundbar, kommt aber durch eine List
Lokis doch zu Tode. Dafür fangen und fesseln die anderen Göttern Loki und
lassen das Gift einer Schlange auf ihn tropfen.
- Heimdall, anord.
Heimdallr, -dalr, Ase und Wächter von Asgard. Er bewacht vor allem
die Regenbogenbrücke Bifröst. Er hat ein besonderes Signalhorn, das
Gjallarhorn
(so auch anord., zu gjalla „laut tönen, schreien“). Warum die Menschen
in Vsp. 1,2 als „Söhne Heimdalls“ bezeichnet werden, ist nicht ganz klar.
Vielleicht weil er nach der Rth. der Urheber der drei Stände (Knecht, freier
Bauer, Adeliger) ist.
- Ymir, anord. ds. vielleicht
„Zwilling, Zwitter“, war ein urzeitlicher Riese, entstanden aus der Vermischung
von Eis und Feuer. Er wurde von Odin und seinen zwei Brüdern zerrissen, aus
seinen Körperteilen wurde die Welt erschaffen (vgl. Marduks Erschaffung der
Welt aus dem Leichnam der Tiamat im Enuma
eliš). Ymir ist der Stammvater der Hrimthursen (Reif-, Frostriesen), die
Feinde der Asen sind.
Orte
- -gard: anord. garðr „Zaun, Hof, Garten“ (vgl. engl. yard),
dann auch „Wohnsitz, Burg“ (vgl. dt. Ortsnamen auf -garten und
-hof(en), in Österreich z.B. Baumgarten, Bischofshofen)
- Asgard:
anord. ásgarðr, Wohnort der Asen
- Midgard: anord. miðgarðr
(zu miðr „mittlerer“) „Mittelhof“ o.ä. (Gering: „Grenzwall“), der
Wohnort der Menschen, daher auch „Erde, Welt“
- Bifröst,
anord. Bifrǫst (wohl aus bifa „beben, zittern“ und rǫst
„Wegstrecke, [von mehreren Meilen =] Leuge“) „schwankender Weg“?, die als
Regenbogen gedachte Brücke, die Asgard und Midgard (also „Himmel“ und Erde)
verbindet
- Utgard: anord. útgarðr
(zu út „hinaus“/úti „draußen“) „Außenhof“, Wohnort der
Riesen und Trolle
- -heim: anord. heimr „Heimat; Welt“ (vgl. dt. Ortsnamen auf -heim,
in Österreich z.B. Bergheim)
- Alf(en)heim:
anord. alfheimr, Wohnort der Alben
- Wanenheim: anord.
vanaheimr, Wohnort der Wanen
- Jötunheim, Jotenheim:
anord. jǫtunheimr, Wohnort der Riesen
- Niflheim: anord.
niflheimr (nifl- wohl „dunkel“, verwandt mit dt. Nebel)
„Dunkelheim“, eisiges Gebiet in Norden
- Muspell(s)heim:
anord. muspellzheimr, Wohnort des Riesen Muspellr, feuriges
Gebiet im Süden
- Thrudheim: anord.
þrúðheimr (zu þrúðr f. „Kraft“), Wohnort Thors
- Walhall(a): anord.
valhǫll (aus valr m. „in der Schlacht Gefallener“ und hǫll
„Halle“) „Halle der Gefallenen“, Ruheort von in der Schlacht gefallenen
tapferen Kämpfern. Danach heißt Odin in der Vsp. auch valfǫðr „Walvater“
(d.i. „Vater der Gefallenen“, -fǫðr in Zss. = faðir).
Sonstige
Die Midgardschlange
ist eine riesige, die Welt (Midgard) umspannende Seeschlange, die im (Ur-)Ozean
lebt. Der Begriff selber kommt in der Lieder-Edda angeblich gar nicht vor. In
der Hym. (wo Thor nach der Schlange angelt) wird sie bezeichnet als
ormr „Schlange“ (vgl. dt. Wurm),
um(b)giǫrð allra landa „Umgürtung aller Länder“,
úlfs hnitbróðir „Wolfes Bruder“ (Gering: „Kampfgenosse“) (die Midgardschlange
und der Fenriswolf sind Geschwister).
Der Fenriswolf, anord.
Fenrisúlfr (úlfr m. „Wolf“), meist aber nur Fenrir
genannt, ist ein riesiger Wolf, der von den Asen mit magischen Fesseln in Asgard
gefangen gehalten wird. Ob wirklich zu fen n. „Sumpf“? Wird auch
hróðvitnir genannt (anord. vitnir m. „Wolf“; hróðr
m. „Ruhm“?).
Yggdrasill, die Weltesche
(Vsp. 19,1 ask veit ek standa „eine Esche weiß ich stehen“), ist ein
riesiger weltumspannender Baum.
Etymologie unklar, scheinbar aus anord. yggr „Furcht; schrecklich“
und drasill „Pferd“, also „Pferd des Schrecklichen“ (= Odins)? Dann
müsste es aber Yggsdrasill heißen. Oder „Schreckenspferd“ (im Sinne
von „Galgen“?). Oder von *ygg = ýr „Eibe“ und drasinn
„faul, stumpf“, aber das bedeutet was?
Am Fuß des Baums befindet sich der Urdbrunnen,
anord. urðar brunnr (urðr f. „Schicksal“, brunnr m.
„Quelle, Brunnen“) „Schicksals Quelle“.
Ragnarök, aus
regin n. pl. „(die beschließenden Mächte =) Götter“ und rǫk
n. pl. „Ursprung, Ursache; Schicksal“, daher „der Götter Schicksal“, nämlich
das Ende der Asen in einem endzeitlichen Kampf gegen die Riesen und ihre Unterstützer
(Loki, Midgardschlange, Fenrir). Da auch als Ragnarøkkr gedeutet
(røkkr n. „Dunkel“), wird es auch mit „Götterdämmerung“ übersetzt.