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Edda


Wer sich mit Dichtung mythologischen Inhalts beschäftigt, wird zunächst mit einer großen Zahl von Namen und Begriffen, die dem Neuling nichts sagen, konfrontiert. Wer etwa Ilias liest (z.B. in der Wiedergabe von Johann Heinrich Voß), wird schon in den ersten Versen mit der Frage konfrontiert, was ein Peleiade ist, was Achaier sind, wer Aïs ist, wer Atreus' Sohn. So erging es mir anfangs mit der Edda. Daher hier eine Zusammenfassung einiger Namen und Begriffe.

Es gibt zwei Werke, die den Namen Edda tragen:

Zur Bedeutung des Wortes edda referiert de Vries vier Etymologien. 1.: von óðr „Poesie, Dichtung“ (hier im Sinne von „Poetik, Dichtungslehre“); wegen des Wechsels von langem o zu kurzem e lautlich unbefriedigend. 2: von dem Ortsnamen Oddi in Südisland, einem mittelalterlichen Zentrum der Gelehrsamkeit. 3.: Kürzung aus eddumál „Großmuttergedicht“ o.ä. zum Homonym edda „Großmutter“. 4.: zu einem Part. *eddr „geehrt“ (vgl. ahd. ēra „Ehre, Würde“), im Sinne von „Buch über Ehrwürdiges“. Die Wikipedia fügt eine weitere hinzu: von lat. edere „herausgeben, hervorbringen, erzeugen“, im Sinne von „dichten“.

Die Lieder-Edda habe ich in der Übertragung des deutschen Philologen Karl Simrock (1802-1876) wohlfeil (€ 9,99) erworben. Um die soll es daher im folgenden gehen.

Die Lieder

Viele anord. mask. Namen enden im Nom. auf -r. Bei der Wiedergabe im Dt. ist es üblich, dieses -r wegzulassen, wenn es auf einen Kons. folgt: aus Þrymr wird Thrym, aus Rígr wird Rig, aus Hárbarðr wird Harbard usw. (aber Fafnir, Grimnir usw.). Ich habe das meist so übernommen.

Akv. Alv. Am. Bdr. Br. Dr. Fm. Gdhr.I Gdhr.II Gdhr.III Ghv. Grm. Grp. Hav. Hdl. HH. HH.II HHv. Hlr. Hm. Hrbl. Hym. Ls. Od. Rm. Rth. Sd. Sf. Sg. Skm. Thrk. Vkv. Vm. Vsp.

Öfter vorkommende anord. Wörter in den Liedtiteln sind:

Nicht im Codex Regius enthaltene Lieder sind mit * gekennzeichnet.

Personengruppen

Personen

Orte

Sonstige

Die Midgardschlange ist eine riesige, die Welt (Midgard) umspannende Seeschlange, die im (Ur-)Ozean lebt. Der Begriff selber kommt in der Lieder-Edda angeblich gar nicht vor. In der Hym. (wo Thor nach der Schlange angelt) wird sie bezeichnet als ormr „Schlange“ (vgl. dt. Wurm), um(b)giǫrð allra landa „Umgürtung aller Länder“, úlfs hnitbróðir „Wolfes Bruder“ (Gering: „Kampfgenosse“) (die Midgardschlange und der Fenriswolf sind Geschwister).

Der Fenriswolf, anord. Fenrisúlfr (úlfr m. „Wolf“), meist aber nur Fenrir genannt, ist ein riesiger Wolf, der von den Asen mit magischen Fesseln in Asgard gefangen gehalten wird. Ob wirklich zu fen n. „Sumpf“? Wird auch hróðvitnir genannt (anord. vitnir m. „Wolf“; hróðr m. „Ruhm“?).

Yggdrasill, die Weltesche (Vsp. 19,1 ask veit ek standa „eine Esche weiß ich stehen“), ist ein riesiger weltumspannender Baum. Etymologie unklar, scheinbar aus anord. yggr „Furcht; schrecklich“ und drasill „Pferd“, also „Pferd des Schrecklichen“ (= Odins)? Dann müsste es aber Yggsdrasill heißen. Oder „Schreckenspferd“ (im Sinne von „Galgen“?). Oder von *ygg = ýr „Eibe“ und drasinn „faul, stumpf“, aber das bedeutet was? Am Fuß des Baums befindet sich der Urdbrunnen, anord. urðar brunnr (urðr f. „Schicksal“, brunnr m. „Quelle, Brunnen“) „Schicksals Quelle“.

Ragnarök, aus regin n. pl. „(die beschließenden Mächte =) Götter“ und rǫk n. pl. „Ursprung, Ursache; Schicksal“, daher „der Götter Schicksal“, nämlich das Ende der Asen in einem endzeitlichen Kampf gegen die Riesen und ihre Unterstützer (Loki, Midgardschlange, Fenrir). Da auch als Ragnarøkkr gedeutet (røkkr n. „Dunkel“), wird es auch mit „Götterdämmerung“ übersetzt.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 10. Juli 2026