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Altnordisches Alphabet
Als Altnordisch bezeichnet man die nordgerm. Dialekte, die von etwa 800 (Beginn der Wikingerzeit) bis ins Spätmittelalter in Skandinavien und den westlich davon gelegenen Inseln gesprochen wurden. Man unterscheidet die drei Zweige Altwestnordisch (Altnorw. und Altisländ.), Altostnordisch (Altdän. und Altschwed.) und Altgutnisch (auf Gotland). Da der größte Teil der altnord. Literatur auf Altisländ. und Altnorw. überliefert ist, wird Altnord. als Kurzbezeichnung für Altwestnord. und/oder Altisländ. und/oder Altnorw. verwendet. Moderne Nachfolger des Altwestnord. sind Nynorsk (Neunorw.), Isländ. und Färöisch, solche des Altostnord. sind Schwed., Bokmål (die in Norwegen gesprochene Varietät des Dän.) und Dän.
Das Altnord. wurde zunächst mit Runen geschrieben. Es gab drei Runenalphabete: Das ältere, sog. germanische (weil auch bei den übrigen Germanenstämmen in Gebrauch) bzw. längere (24 Zeichen):
| ᚠ | ᚢ | ᚦ | ᚨ | ᚱ | ᚲ | ᚷ | ᚹ | ᚻ/ᚺ | ᚾ | ᛁ | ᛃ | ᛇ | ᛈ | ᛉ | ᛊ/ᛋ | ᛏ | ᛒ | ᛖ | ᛗ | ᛚ | ᛜ | ᛞ | ᛟ |
| f | u | þ | a | r | k | g | w | h | n | i | j | e (i? ei?) | p | -z, -ʀ | s | t | b | e | m | l | ŋ | d, ð | o |
Dieses wurde in Skandinavien in der Wikingerzeit ersetzt durch das jüngere, sog. nordische (den Skandinaviern eigen) bzw. kürzere (16 Zeichen):
| ᚠ | ᚢ | ᚦ | ᚭ | ᚱ | ᚴ | ᚼ | ᚾ | ᛁ | ᛅ | ᛋ | ᛏ | ᛒ | ᛚ | ᛉ | ᛣ |
| f | u, o, ø | þ, ð | ą (o) | r | k, g | h | n | i, e | a | s | t, d | b, p | l | m | -ʀ |
Über die Details zur (möglichen) Aussprache dieser zwei Alphabete siehe Noreen.
Da dieses Alphabet die Aussprache nur mangelhaft wiedergeben konnte, entstand seit 1000 eine weitere Modifikation des Runenalphabets, die zum jüngsten, sog. punktierten führten:
| ᛆ | ᛒ | ᛑ | ᛂ | ᚠ | ᚵ | ᚼ | ᛁ | ᚴ | ᛚ | ᛉ | ᚿ | ᚮ | ᛔ | ᚱ | ᛋ | ᛐ | ᚦ | ᚢ | ᛣ | ᛅ | ᚯ | |
| a | b | d | e | f | g | h | i, j | k | l | m | n | o | p | r | s | t | þ, ð | u, w | y | z | æ | œ |
Mitte des 11. Jh. begann man zunehmend das lat. Alphabet zu verwenden. Dabei wurde es um einige Zusätze angereichert:
In den Hss. kommt auch w statt u oder v vor, spätere haben oft ö (aus der dt. Schrift entlehnt) für älteres ǫ.
De Vries verwendet folgendes Alphabet:
a/á b d/ð e/é f g h i/í j k l m n o/ó p r s t þ u/ú v/w x y/ý z æ ø œ ǫ
Die langen und kurzen Vokale sind alphabetisch gleichwertig. (Für langes æ,
ø und œ habe ich keine Belege gefunden, für langes ǫ nur eines: ǫ́sla,
das bei Zoëga aber mit kurzem Anlaut ösla lautet.)
Die Buchstaben ð, x und z kommen im Anlaut nicht vor; ð ist gleichwertig mit
d (sáð - saddr - saðr), das seltene w mit v. ę scheint nicht verwendet zu sein.
Gering stellt þ zwischen y und æ; œ kommt nicht vor, statt ð wird þ geschrieben.
Bei Zoëga sind die langen Vokale nach den kurzen eingereiht (á nach a, í nach
i usw.), ð kommt nach d, þ nach ý, ö/ø nach œ (ö ersetzt ǫ).
Noreen verwendet nach eigenem Bekunden (S. 37) folgendes Alphabet:
a á b d ð e é f g h i í k l m n o ó p r s t u ú v x y ý z þ ǫ ǫ́ æ ǽ ø ǿ
Das Isländ., mit dem ich mich kurz beschäftigt habe, hat kein ø, œ und ǫ mehr. Letzteres wurde zu ö, das (halb-)offen ausgesprochen wird: [œ] oder [ɶ]. Ebenso sind (halb-)offen: e [ɛ], o [ɔ], i/y [ɪ] und u [ʏ] (offenes ü). Die ehemaligen Langvokale haben ihre Länge verloren und sind stattdessen jetzt geschlossen wie bei í/ý [i] und ú [u], oder sie wie wurden diphthongiert wie bei á [aʊ] (so auch a vor ng/nk), ó [ɔʊ] und é [jɛ]. Ebenfalls zum Diphthong wurde æ [ai]; von Haus aus diphthongisch sind au [œʏ] und ei/ey [ɛi].
An Konsonanten hat das Isländ. nur z (und das sehr seltene w) eingebüßt. Auffällig die (nach Noreen schon im Altnord. stattgehabte) Spirantisierung mancher Konsonanten, insbes. des g zwischen Vokalen bzw. zwischen Vokal und ð/r zu [ɣ] bzw. vor t/s zur stimmlosen Variante [x]. (Am Wortende höre ich, z.B. bei ég „ich“, je nach Sprecher [ɣ], [j] oder [x].) Ebenso wird k vor t/s zu [x]. G und d werden nach n stimmlos (ng [ŋk], nd [nt]); hv ist [kv] (so im Anlaut der Interrogativpron. und -adv.). Doppeltes k, p, t wird „präaspiriert“, d.h. kk [hk], pp [hp], tt [ht] (so auch einfaches k/p/t vor l und n). Doppeltes l wird [tl] gesprochen, doch höre ich eher [tɬ]. Sonstige Feinheiten der Aussprache, z.B. Palatalisierung von g und k vor e- und i-haltigen Vokalen, Lautschwund in Konsonantenclustern u.a. s. Wikipedia.
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Letzte Aktualisierung: 8. Juli 2026