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Auferstehung Jesu


Alle Jahre wieder werden zu Ostern auch kirchlicherseits Äußerungen laut, die besagen, dass Jesus zwar nicht wirklich auferstanden ist, aber wir (in einem existentialistischen Sinn) trotzdem Ostern feiern. Leider z.B. auch in unserem Gemeindeblog vom Ostersonntag 2011, getarnt als Erinnerung an den evangelischen Theologen Herbert Braun (1903-1991): „Jesu Auferstehung sei nicht ein historisches Geschehen, das die Richtigkeit des Glaubens begründe und garantiere, sondern sie sei Ausdruck dafür, dass das, was Jesus will, lebendig ist und Menschen tragen kann.“ (Der Blog existiert inzwischen nicht mehr.)

Ich habe dies zum Anlass genommen, mir die neutestamentlichen Texte zur Auferstehung Jesu wieder einmal genauer anzuschauen und meinen Senf dazuzugeben. Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Ansichten können sich ändern, auch meine.

Kessler, Hans: Sucht den Lebenden nicht bei den Toten. Die Auferstehung Jesu Christi in bibl., fundamentaltheol. u. systemat. Sicht.– Erweit. Neuausg., Würzburg: Echter, 2002. (Topos plus Taschenbücher, Bd. 419.) 527 S.
Umfassende Darstellung eines katholischen Theologen, zwar nicht radikal skeptisch, aber doch die modernen theologischen Interdikte teilend, peinlich alles leugnend, was nach Supranaturalismus, Fundamentalismus, Biblizismus riecht.
Foster, Charles: Die Akte Jesus. Ein Jurist ermittelt in Sachen Auferstehung. A. d. Engl. v. K. Krips-Schmidt u. A. Reinders.– München: Pattloch, 2008. (Engl. Orig.: The Jesus Inquest, Oxford 2006, einsehbar bei Google Books.) 400 S.
Ein britischer Jurist beschäftigt sich mit einer weiten Palette von Einwänden gegen die Auferstehung (auch so abstrusen wie Jesus in Indien) und versucht sie zu widerlegen.
McDowell, Josh: Die Tatsache der Auferstehung. A. d. Amerik. v. K. Limper.– 6. überarb. Aufl., Bielefeld: Christl. Lit.-Verbreitung, 2013. (Amerik. Orig.: The Resurrection Factor, San Bernardino 1981.) 190 S.
Apologetisch-missionarische Schrift, etwas zu unkritisch und simplizistisch. Kann bei CLV heruntergeladen werden.

Vorab meine theologische Position: Die Ansicht der Bultmannschule, dass das naturwissenschaftliche Weltbild auch für die Theologie verbindlich sei, dass sich daher der Glaube an Wunder von selbst verbiete, ist schlicht Unsinn. Die Naturwissenschaft sagt nirgends, dass Wunder nicht möglich sind; sie beschäftigt sich nur nicht mit ihnen. Genauso wenig, wie sie sich mit der Frage der Existenz Gottes beschäftigt, was aber nicht heißen kann, dass es unwissenschaftlich sei, an Gott zu glauben. Das gleiche gilt für die Geschichtlichkeit von Wundern. Wunder sind unhistorisch in dem Sinn, dass sie nicht Gegenstand säkularer Geschichtswissenschaft sind. Damit ist aber nicht erwiesen, dass sie nicht geschehen sind; die Historiker beschäftigen sich nur nicht mit ihnen. Umgekehrt bedeutet das, dass es auch nicht möglich ist, Auferstehung historisch zu beweisen. Bewiesen werden kann höchstens der Auferstehungsglaube der ersten Christen.

Die Beschäftigung mit den frühen Zeugnissen von der Auferstehung Jesu steht also unter dem Handikap, dass es kein wissenschaftliches Methodeninventar gibt, mit dem man die historische Wahrheit hinter den Texten finden kann. Moderne Theologen bezweifeln je nach weltanschaulicher Position diesen oder jenen Teil der Überlieferung oder auch die Tradition als ganzes. Sie finden also immer das, was sie schon vorher wussten. Beliebt ist dabei das Argumentieren mit Formgeschichte, wobei den Texten dann eine andere Aussageabsicht unterstellt wird. Oder es wird die Redaktionsgeschichte ins Treffen geführt, wobei in einem Zirkelschluss genau jene Partien als jüngere Zusätze ausgeschieden werden, die man für zweifelhaft („grob-sinnlich“, „Mirakel“ usw.) hält.

Wenn etwa Kessler (S. 229) schreibt:

Weder wollen die Erscheinungserzählungen der Evangelien als realistische »Schilderungen« des anthropomorphen Auftretens eines himmlischen Wesens auf Erden verstanden werden, noch ist von ihnen aus ein Rückschluß auf das Wie der ursprünglichen Ostererlebnisse erlaubt.

dann bedeutet das de facto, dass die Berichte in den Evv völlig irrelevant sind und die Theologen daher in großer Beliebigkeit Vermutungen über das Wie der Ostererlebnisse anstellen dürfen. Ich halte es überdies für äußerst problematisch, aus den hochgradig hypothetischen Konstrukten der Form- und Redaktionsgeschichte weitreichende exegetische Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir sollten uns auf die Texte konzentrieren, wie sie uns jetzt vorliegen.

Enervierend ist auch die ständige Infragestellung oder Neudefinition von Begriffen wie historisch, wirklich, sehen u.ä. „Wissenschaftlich“ ist das alles nur in dem Sinn, dass die Proponenten dieser Ansichten Teil des akademischen Wissenschaftsbetriebs sind.

Dass man nur findet, was man schon vorher wusste, gilt auch für mich. Ich persönlich glaube, dass ohne Auferstehung im traditionellen Sinn das ganze Christentum Schwachsinn wäre. Wenn nicht der aufstandene Herr bei uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt, dann ist „das, was Jesus will“, irrelevant und kann Menschen auch nicht tragen.

Die Stellen 1Kor 15,3-8 und Mk 16,1-8 habe ich selber eingedeutscht, die übrigen Passagen sind zitiert nach der, wie ich hoffe, gemeinfreien Übersetzung Franz Eugen Schlachters.

1Kor 15,3-8

Im NT finden sich etliche Bekenntnisformeln der Form „Gott hat Jesus (von den Toten) auferweckt“ (z.B. 1Thess 1,10) oder „Jesus ist auferstanden (von den Toten)“ (z.B. 1Thess 4,14; 1Thess gilt als ältester erhaltener Paulusbrief, verfasst um 50). Doch sagen diese Bekenntnisse nichts darüber aus, wie dieser Glaube zustande gekommen ist. Mir geht es um jene Textstellen, die genau darüber berichten.

Das älteste Auferstehungszeugnis in diesem Sinne ist wiederum eine Stelle aus einem Paulusbrief, wohl ein altkirchliches Glaubensbekenntnis (1Kor 15,3-8). Erst dann folgen nach Ansicht der Einleitungswissenschaft die Berichte der Evangelien. Der erste Brief an die Gemeinde in Korinth ist wohl Mitte der 50er Jahre entstanden.

3 Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe:
dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach den Schriften,
4 und dass er begraben wurde,
und dass er auferweckt ist am dritten Tag nach den Schriften,
5 und dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölf.
6 Danach ist er über fünfhundert Brüdern auf einmal erschienen, von denen die Mehrzahl bis jetzt leben, einige sind aber entschlafen; 7 danach ist er Jakobus erschienen, dann allen Aposteln. 8 Zu allerletzt ist er wie der Fehlgeburt auch mir erschienen.

auferweckt ist: griech. ἐγήγερται ist Perfekt, das die Fortdauer des Ereignisses oder seiner Folgen bis in die Gegenwart bezeichnet. Das Passiv von ἐγείρω „auf(er)wecken“ kann auch aktive Bedeutung „aufwachen, auf(er)stehen“ haben. Schlachter übersetzt daher: „und daß er auferstanden ist“.
den Zwölf: formelhafte Bezeichnung des Zwölferkreises; nach dem Verrat des Judas waren es ja nur noch elf.
Jakobus: wohl der Bruder Jesu, vgl. Apg 1,14; 12,17; 15,13; 21,18; Gal 1,19; 2,9.12.
Fehlgeburt: nimmt Paulus hier eine gegen ihn gerichtete Verunglimpfung auf? Oder geht es um die zeitliche Distanz zu den übrigen Erscheinungen (so wie eine Fehlgeburt auch nicht zur rechten Zeit kommt)?

Die Verse 3b-5 dürften indirekte (d.h. in Form von dass-Sätzen) Wiedergabe eines altkirchlichen Glaubensbekenntnisses sein. Diesem fügt Paulus in V. 6-8 noch weitere Erscheinungen hinzu, geht es doch um den Beweis, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist und dass es daher eine Auferstehung von Toten gibt (was manche in Korinth offenbar bestritten haben). Der Begriff dazu (griech. ἐγείρω „aufwecken / aufwachen, aufstehen“) ist dem Bereich des Schlafes entnommen. Dass der Begriff metaphorisch ist, bedeutet aber nicht automatisch, dass es auch die Sache ist.

Er ist erschienen (griech. ὤφθη, wörtl. „wurde gesehen“ od. „ließ sich sehen, zeigte sich“) bezeichnet normalerweise kein inneres Ereignis. Welcher Art die Erscheinung war, d.h. ob die Jünger mit dem Erschienenen auch gesprochen haben usw., geht aus dem Text aber nicht hervor. Da es aber viele Christen gibt, denen der Auferstandene nicht erschienen ist, kann es sich nicht einfach um eine Umschreibung für „zum Glauben kommen“ o.ä. handeln.

Als erster Auferstehungszeuge wird Petrus (hier mit seinem aram. Namen Kephas) genannt. Die Massenerscheinung („über fünfhundert Brüdern auf einmal“) ist ebenso wie die Erscheinung vor Jakobus sonst im NT nicht belegt, aber Paulus erweckt den Eindruck, dass er zumindest einen Teil der Beteiligten kennt. Allerdings war seine eigene Christusbegegnung, so wie Apg 9 sie schildert, eher visionärer Art, während Petrus und der restliche Zwölferkreis nach den Evv Begegnungen anderer Art hatten. (Entweder hat Paulus seine Begegnung mit dem Auferstandenen anders erlebt oder er stellt sie mit den Erscheinungen der übrigen Apostel auf eine Stufe, weil er sich selbst als Apostel begreift, der mit den Aposteln des Zwölferkreises auf einer Stufe steht.)

In den weiteren Versen betont Paulus, dass der Auferstehungsglaube ein unverzichtbarer Bestandteil christlichen Glaubens ist: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; dann sind auch die in Christus Entschlafenen verloren.“ (15,17f) Die Auferstehung bestätigt erst, dass Christus um unserer Sünden willen gestorben ist.

Selbst ein scheinbar so unverdächtiges Detail wie am dritten Tag wurde und wird in Zweifel gezogen. Da es bereits in Hos 6,2 heißt: „am dritten Tage wird er uns aufrichten, daß wir vor ihm leben“, sei das Datum nicht chronologisch gemeint, sondern theologisch. Der dritte Tag sei das heilsgeschichtliche Datum für Gottes rettendes Eingreifen. Das erklärt aber m.E. nicht hinreichend, wieso die Christen den Sonntag statt des jüdischen Sabbats zu ihrem Versammlungstag gemacht haben (Apg 20,7; 1Kor 16,2). Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass hier (auch) ein chronologisches Datum der Grund dafür war.

Dass Paulus das leere Grab nicht erwähnt, bedeutet nicht, dass er davon nichts gewusst oder nicht daran geglaubt hat. Ein argumentum e silentio hat hier keine Beweiskraft.

Mk 16,1-8

Das Markusevangelium ist wohl noch vor der Zerstörung Jerusalems entstanden. Detailliert über Verfasser und Entstehungszeit des Markusevangeliums habe ich mich ausgelassen in meiner Einleitung ins Markusevangelium. Den Text, der uns hier interessiert, habe ich übersetzt in Der überlieferte Markusschluß. Da er recht kurz ist, sei er hier noch einmal wiedergegeben.

Die ersten Auferstehungszeugen sind Frauen. Da Jesus in der Eile des nahenden Sabbats nur „notbestattet“ wurde, gehen sie am Sonntagmorgen zum Grab, um das Versäumte (den Leichnam zu balsamieren) nachzuholen. Allerdings sehen sie den Auferstandenen selbst nicht. Sie finden das leere Grab und darin einen weißgekleideten Jüngling (=Engel?), der ihnen mitteilt, dass Jesus auferstanden ist, und der das Erscheinen des Auferstandenen in Galiläa ankündigt. Die Frauen laufen entsetzt vom Grab weg und sagen (vorerst?) niemandem etwas.

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die (Mutter) des Jakobus und Salome Gewürze, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sehr früh am ersten Tag der Woche kamen sie zum Grab hin, als die Sonne aufging. 3 Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? 4 Und als sie aufblickten, sahen sie, daß der Stein weggewälzt war; er war nämlich sehr groß. 5 Und als sie in das Grab hineinkamen, sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, bekleidet mit einem weißen Gewand; und sie erschraken. 6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht. Ihr sucht Jesus den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Sieh, die Stelle, wo sie ihn hingelegt haben. 7 Aber geht hin (und) sagt den Jüngern und dem Petrus, daß er euch nach Galiläa vorangeht. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und als sie herauskamen, flohen sie von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatten sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas, sie fürchteten sich nämlich.

er ist auferstanden: oder „er wurde auferweckt“, griech. ἠγέρθη ist Aorist (erzählend, konstatierend) zum Perf. ἐγήγερται in 1Kor 15,4.
Entsetzen: griech. ἔκστασις „Außersichgeraten“, positiv „Verzückung, Ekstase“, hier wohl negativ „Entsetzen“.

Leider ist der Markustext hier zu Ende. Ob der Bericht über die angekündigten Erscheinungen verlorengegangen ist oder ob dieser gar nie geschrieben wurde (und warum nicht), wird wohl auf immer ungeklärt bleiben. Nimmt man an, dass der überlieferte Markusschluss vom Autor so beabsichtigt war, dann sind das leere Grab und die Botschaft des Engels die zentralen Elemente des Auferstehungsglaubens.

Ernst Lohmeyer in seinem Kommentar (Das Evangelium des Markus, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 14. Aufl. 1957, S. 356) versteht „dort werdet ihr ihn sehen“ nicht als Ankündigung der Erscheinung des Auferstandenen, sondern als Ankündigung der Parusie (vgl. Mk 13,26: „Und dann werden sie sehen den Menschensohn kommend in Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.“) Dagegen spricht m.E., dass sich diese Parusie ja nicht ereignet hat, Mk also den Engel ewas faktisch Falsches sagen ließe. Auch Mt 28,17 „sehen“ die Jünger den Auferstandenen (s.u.), Joh 20,18 berichtet Maria Magdalena, sie habe den Herrn gesehen (s.u.).

Die Behauptung, die Geschichte könne schon deshalb nicht historisch (gemeint) sein, weil es bei den klimatischen Bedingungen in Palästina widersinnig sei, einen Toten am dritten Tage salben zu wollen (Kasper, Walter: Jesus der Christus, Mainz: Grünewald, 1974, S. 149), ist m.E. nicht stichhaltig: wir befinden uns am Frühlingsbeginn in Jerusalem (750 m ü.d.M.), die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen betragen 15-20 °C; Jesu Leichnam wäre am Sonntagmorgen rund 36 Stunden (2 Nächte, 1 Tag) in einem verschlossenen Felsengrab gelegen, und er war in ein Leinentuch gewickelt und dadurch fürs erste vor Insekten geschützt. Nach 36 Stunden sollte die Leichenstarre weitgehend aufgehört, aber die Autolyse noch nicht voll eingesetzt haben, also der ideale Zeitpunkt, um noch etwas mit dem Leichnam zu tun.

Die Leichenstarre ist nach ca. 6 bis 12 Stunden nach Eintritt des Todes voll ausgeprägt und beginnt sich nach 24 bis 48 Stunden nach dem Eintritt des Todes durch die eintretende Autolyse (die Selbstauflösung abgestorbener Zellen) wieder zu lösen.

Die Unterscheidung, dass nicht die Frauen es sind, die feststellen, dass Jesus nicht mehr im Grab ist, sondern der Engel es verkündet („er ist nicht hier“) (Pesch, Rudolf: „Das leere Grab und der Glaube an Jesu Auferstehung“, in: IKaZ 11 (1982) 6), ist akademisch. Daraus abzuleiten, der Text wolle kein feststellbares Faktum konstatieren, sondern eine Glaubensbotschaft (Kerygma) verkünden, gehört zu den typischen Willkürlichkeiten der Exegese. Kein unbefangener Leser käme von sich aus auf diesen Gedanken. Richtig ist allerdings, dass ein leeres Grab allein für die Frauen noch nicht den Auferstehungsglauben begründen kann. Dazu bedarf es der Erklärung des Engels („er ist auferstanden“). (Anders hingegen Joh 20,8: der „andere Jünger“ sieht das leere Grab und glaubt; s.u.)

Die Theologie nimmt gemeinhin an, dass die Jünger sofort nach der Kreuzigung nach Galiläa zurückgekehrt sind. Das wird aus Stellen wie 14,28 („nachdem ich auferstanden bin, will ich euch nach Galiläa vorangehen“), 16,7 („sagt den Jüngern [...], daß er euch nach Galiläa vorangeht“) oder Joh 16,32 („es kommt die Stunde, [...] wo ihr euch zerstreuen werdet“) erschlossen. Doch er geht voran könnte auch als Aufforderung, sich erst auf den Weg zu machen, verstanden werden. Die Osterberichte in den übrigen Evv erwecken eher den Eindruckt, dass sich die Jünger in den ersten Tagen nach der Kreuzigung mehrheitlich noch in Jerusalem aufhielten.

Das Grab Jesu


Hellenist. Felsengrab bei Pafos auf Zypern. Unklar ist mir, wie dieses Grab verschlossen wurde.

Das Grab Jesu war (nach Mk 15,46, Mt 27,60, Lk 23,53) in den Fels gehauen und (wie auch der in allen vier Evv genannte weggewälzte Stein zeigt) mit einem schweren (Roll-?)Stein verschlossen. Da die Gruft künstlich angelegt war, wird die Höhle sicher nicht so tief in dem Fels gereicht haben, wie auf Eugène Delacroix' Gemälde von der Grablegung Christi von 1859 (auf Wikipedia).

1980 wurde im Jerusalemer Vorort Talpiyot eine Grabanlage entdeckt, in der zehn steinerne Ossuarien (Knochenkästen) gefunden wurden, von denen sechs Namensaufschriften tragen. Eine der Aufschriften könnte als ישע בר יהוסף Ješuaʿ bar Jehôsep̱ („Jesus, Sohn Josefs“) gelesen werden. Doch fehlt dem Namen Jeschua (normalerweise ישוע geschrieben) das Waw und die ersten beiden Konsonanten sind nicht sicher auszumachen. Ein anderes Ossuar trägt die griech. Aufschrift Μαριαμηνου ἡ̣ μαρα Mariamēnou hē mara, was von einigen als „Mariamne die Herrin“ (aram. מרא marā „Herr“) gedeutet wird. Doch die Lesung des ἡ ist mehr als fraglich und der Name ist nicht Mariamne, sondern Mariamenon oder -os (in der Aufschrift im Gen. „der/des M.“); und Mara ist viel wahrscheinlicher die öfters vorkommende Kurzform von Martha oder Gen. des männl. Namens Maras.

Dennoch brachten der Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici und der Regisseur James Cameron (bekannt für Filme wie „Terminator“, „Aliens“, „Titanic“, „Avatar“) 2007 einen spekulativen, reißerischen Dokumentarfilm „The lost Tomb of Jesus“ heraus, in dem dieses Grab, basierend auf den genannten Lesungen, zum Familiengrab der Familie Jesu erklärt wird. Die Ossuarien werden Jesus, Maria (Mariamne) Magdalena und Angehörigen der Familie Jesu zugewiesen (Dan Browns „Da Vinci Code“ läßt grüßen). Kein ernstzunehmender Bibelwissenschaftler teilt diese Ansichten.

Die Mehrheit der Forscher hält die Tradition, die das Grab Jesu in der heutigen Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt lokalisiert, für durchaus glaubwürdig. Das Grab wurde 325 von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins unter einem Aphrodite- oder Venustempel aufgefunden. Dieser war vermutl. unter Hadrian 135 errichtet worden. Konstantin ließ den Tempel abbrechen und an seiner Stelle eine Kirche errichten. Die Grabeskirche wurde mehrmals schwer beschädigt, 1009 ließ der Fatimidenkalif El-Hakim sie völlig zerstören und das Felsengrab abbrechen. Vom ursprüngl. Grab ist daher wohl nicht mehr allzuviel erhalten.

Das sog. Gartengrab, eine Grabkammer aus röm. Zeit, welches Charles Gordon 1883 mit dem Grab Jesu identifiziert hat, wird von den Wissenschaftlern nicht als mögliches Grab Jesu anerkannt.

MacDonald, Brent: The Tomb of Jesus (Lion Tracks Ministries)
Bietet am Anfang zwei instruktive Fotos eines Felsengrabes mit Rollstein und enthält auch Bilder der Grabeskirche.
Magness, Jodi: What Did Jesus’ Tomb Look Like? (Biblical Archeology Society)
Foto eines Felsengrabes mit Rollstein
Gebet zu Ostern† (Bistum Mainz)
Foto von H. Brantzen „Grab der Frau des Herodes“ in Jerusalem im Garten des King David Hotel
(2024 nicht mehr auffindbar.)
Biddle, Martin: Das Grab Christi. Neutestamentl. Quellen, histor. und archäolog. Forschungen, überraschende Erkenntnisse.- Gießen: Brunnen-Verl., 1998.
Heiser, Michael S.: Evidence Real and Imagined: Thinking Clearly About the “Jesus Family Tomb”† (PDF auf der Homepage des Autors)
Abbildungen der Aufschriften auf den Ossuaren von „Jeschua“ und „Mariamne“ und ausführliche Erklärung der möglichen Lesungen
(Michael S. Heiser (*1963) starb am 20.Feb.2023 an Pankreaskrebs, seine Domäne gehört jetzt bluehost.com.)
ZDF-heute-Sendung „Das echte Grab Jesu entdeckt?“† (ZDF-Mediathek, Länge 3:15)
Zeigt, wo das Taliot-Grab ist, und bietet ein kurzes Statement von Jacobovici.
(2014 nicht mehr abrufbar.)
Heilig-Grab-Ädikula. Wikipedia de (das mutmaßliche Grab Jesu in der Grabeskirche)
Gartengrab. Wikipedia de

Lk 24

Das Lukasevangelium ist nach allgemeiner Übereinstimmung nach der Zerstörung Jerusalems verfasst worden und hat Mk als Quelle benutzt.

Auch bei Lk kommen die Frauen zum Grab, um den Leichnam zu balsamieren, finden aber den Stein weggewälzt und die Gruft leer. Dann treten zwei Männer herzu, die ihnen sagen, dass Jesus auferstanden ist.

3 Und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. 4 Und es begab sich, als sie deswegen ratlos waren, siehe, da standen zwei Männer in strahlenden Kleidern bei ihnen. 5 Da sie nun erschraken und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen diese zu ihnen: Was suchet ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden! [...]

Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden: Der Satz fehlt im Cod. Bezae Cantabr. und bei den meisten altlat. Zeugen. Es wird erwogen, ob er nicht ein späterer Zusatz sein könnte.

Die Frauen gehen zu den Jüngern und berichten, was sie erlebt haben. Doch die Jünger glauben ihnen nicht. Petrus geht zum Grab, findet es leer (bis auf die Leichentücher), weiß aber nicht, welchen Reim er sich darauf machen soll.

10 [...] sie und die übrigen sagten dies den Aposteln. 11 Und ihre Worten kamen ihnen vor wie ein Märchen, und sie glaubten ihnen nicht. 12 Petrus aber stand auf und lief zur Gruft, bückte sich und sah nur die leinenen Tücher daliegen; und ging nach Hause, voll Staunen über das, was geschehen war.

Märchen: griech. λῆρος „leeres Geschwätz, Albernheit, Quatsch“.

Das leere Grab löst bei den Frauen Ratlosigkeit, bei Petrus Staunen aus, erklärt aber nicht, was passiert ist. Die Jünger glauben den Frauen nicht.

Dann folgt die Episode mit den Emmausjüngern: Zwei Jünger Jesu (nicht zum Zwölferkreis gehörend, einer heißt Kleopas), die offenbar den Bericht der Frauen gehört haben, gehen von Jerusalem nach Emmaus (eine Ortschaft, einige km von Jerusalem entfernt, genaue Lage unklar). Jesus gesellt sich zu ihnen und spricht mit ihnen und legt ihnen die Schrift aus, ohne dass die Jünger ihn erkennen. Erst als sie am Abend einkehren und Jesus das Brot bricht, wird ihnen klar, dass es Jesus ist. Doch dieser verschwindet vor ihren Augen. Die beiden gehen daraufhin zurück nach Jerusalem, um den anderen Jüngern zu berichten, was sie erlebt haben. Dort angekommen erfahren sie, dass Jesus dem Simon erschienen ist. (Somit dürfte dieser nach Lk der erste sein, der dem Auferstandenen begegnet ist, wie auch Paulus in 1Kor sagt. Die Annahme – beruhend auf einer Lesart, derzufolge hier die Emmausjünger sprechen –, dass es sich bei Simon nicht um Petrus, sondern um den zweiten Emmausjünger handelt, kann nur geringe Plausibilität für sich verbuchen.)

Und nun zeigt sich Jesus den Aposteln. Doch die erschrockenen Jünger wissen nicht recht, was ihnen da erschienen ist. Jesus zeigt ihnen daraufhin seine Wundmale und isst vor ihren Augen, um ihnen klarzumachen, dass er kein Pneuma, keine Spukerscheinung ist.

36 Während sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Aber bestürzt und voll Furcht meinten sie, einen Geist zu sehen. 38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum steigen Zweifel auf in euren Herzen? 39 Sehet an meinen Händen und Füßen, daß ich es bin! Rühret mich an und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. 40 Und indem er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße. 41 Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? 42 Da reichten sie ihm ein Stück gebratenen Fisch und von einem Honigwaben. Und er nahm es und aß vor ihnen.

trat unter sie: Jesus ist den Jüngern nicht „erschienen“, es handelt sich nicht um eine Vision, eine innere Schau o.ä.
Geist: griech. πνεῦμα, hier wohl der Geist eines Verstorbenen, der nach antiker Vorstellung sich den Lebenden zeigen konnte. Vgl. Mt 14,26 von Jesus, der über den See wandelt: φάντασμά ἐστιν „es ist ein Phantasma (eine Erscheinung, ein Gespenst)!“

Dann erklärt Jesus den Jüngern, warum er sterben musste. Er führt sie nach Betanien, segnet sie und fährt gen Himmel. Damit ist wohl klar, dass es keine weiteren leiblichen Erscheinungen Jesu geben wird. Alle weiteren Erscheinungen sind (wie etwa das Damaskuserlebnis des Paulus) visionär. (Davon dass die Jünger nach Galiläa gehen und dort Jesus sehen, wie es bei Mk vom Engel angekündigt wird, scheint Lk nichts zu wissen.)

Obwohl Jesus aus dem Nichts auftauchen und (wie bei den Emmausjüngern) wieder verschwinden kann, hat er einen Körper, den man anfassen kann, besteht er aus Fleisch und Knochen. Zum Beweis dafür isst er vor den Jüngern. Als moderner Skeptiker fragt man sich natürlich, ob der Auferstandene einen Stoffwechsel hat; ob er Hunger und Durst verspürt; wie ein Körper, der aus Fleisch und Knochen besteht, durch verschlossene Türen gehen kann; was mit diesem Körper im Himmel (der transzendenten Welt, der Ewigkeit Gottes) passiert; was er angehabt hat, da sein Gewand unter den Soldaten des Hinrichtungstrupps verlost worden ist.

Wo ist Emmaus?


Verschiedene Lokalisationen von Emmaus: rotbraun Amuas (Nicopolis), lila Kiriat Jearim (~Abu Goš), grün Al-Qubeiba, hellblau Colonia (Moza) (die letzten beiden von mir hinzugefügt). Rechts unten der Nordzipfel des Toten Meeres.
Die Karte stammt aus: Bibelatlas. 10 Karten zu Bunsens Bibelwerk. Entworfen u. gezeichnet v. Henry Lange.- Leipzig: Brockhaus, 1860. Quelle: Google Books.

Ἐμμαοῦς Emmaoús ist vermutlich die griech. Namensform von hebr. חַמַּת ḥammat (v. חמם „warm werden“, meist auf warme Quellen gedeutet) bzw. aram. חַמְּתָא ḥamme (die griech. Form wiederum aramaisiert zu אִמָּאוּס ʾimmāʾûs, עִמָּאוּס ʿimmāʾûs u.ä.). In der syr. Peschitta heißt der Ort ܥܡܐܘܤ ʿmʾws. Es liegt nach dem Lk-Text 60 Stadien (ca. 11 km), nach einigen Hss. (unter ihnen der Sinaiticus) 160 Stadien (ca. 29 km) von Jerusalem entfernt. Die Lesart Οὐλαμμαοῦς Oulammaoús im Codex Bezae Cantabrigiensis (wohl das Οὐλαμλοῦς Oulamloús von Gen 28,19) wird nur von wenigen für das Richtige gehalten.

Die frühchristl. Tradition (z.B. Eusebius' Onomastikon, Klostermann S. 90) hat es mit jenem Ort identifiziert, der seit dem 3. Jh. Nikopolis hieß, seit der muslim. Eroberung im 7. Jh. عِمواس‎ ʿImwās (im Sechstagekrieg 1967 zerstört). Er wird auch im 1Makk (z.B. 3,40 in der Form Ἀμμαοῦς Ammaoús) und bei Flavius Josephus erwähnt (Name schwankend zwischen Ἀ- und Ἐμμαοῦς). Auf der Tabula Peutingeriana heißt er Amavante. Emmaus Nikopolis liegt etwa 30 km westl. von Jerusalem (was für die Lesart mit den 160 Stadien spräche). Doch konnten die Emmausjünger wirklich an einem Tag die 60 km hin und zurück schaffen? Überdies ist die Lesart 60 Stadien weitaus besser bezeugt und man darf vermuten, dass 160 Stadien eine Anpassung an die Entfernung jenes Ortes darstellt, der schon früh als das Emmaus des Lk galt. Abgesehen davon bezeichnet Eusebius Nikopolis als ἐπίσημος πόλις „angesehene Stadt“, während das Emmaus des LkEv nur κώμη „Dorf“ ist.

Carsten Peter Thiede hat sich stark gemacht für den in Jos 18,26 הַמֹּצָֽה ham-Moṣa (LXX Αμωκη Amōkē bzw. Αμωσα Amōsa) genannten Ort. Bei Ios. bell.Iud. 7,217 heißt er Ἀμμαοῦς Ammaoús, unter Vespasian werden hier Veteranen angesiedelt. Der Ort wird dann wohl Colonia genannt. Daraus wird das arab. قالونيا‎ Qālūn(i)jā (1948 von der Hagana zerstört). Es liegt 6 km westl. von Jerusalem, damit ist es nur halb so weit von Jerusalem entfernt, wie die 60 Stadien im Text. Man müsste dann annehmen, diese Distanz bezeichne die Wegstrecke hin und zurück. Aber wenn dieser Ort das lukanische Emmaus ist, wieso hat sich dann die Tradition an Nikopolis gehängt?

Andere Kandidaten für Emmaus sind oder waren:

Motsa, Abu-Goš und die Ausgrabungen von Nikopolis liegen alle an der Autobahn von Jerusalem nach Tel Aviv (letztere direkt am Autobahnkreuz Latrun).

Der Wert der frühchristl. Tradition bzgl. Nikopolis ist schwer einzuschätzen. Auch wenn man die 60 Stadien nur als runde Angabe im Sinne eines mehrstündigen Weges versteht, lässt sich Emmaus leider nicht eindeutig lokalisieren. Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, findet im Netz u.a.:

Wolter, Michael: Emmaus. WiBiLex 2010-2018
Sachkundig, aber die Arroganz, mit der dekretiert wird, dass für die Bestimmung der Lage des Ortes die Entfernungsangabe bei Lk wertlos sei, stimmt bedenklich. Und sie ist auch nicht schlüssig: Wenn man nicht weiß, in welcher Form diese Erzählung auf Lukas gekommen ist, woher will man dann wissen, dass sie keine Angabe zur Zeit und zur Distanz zwischen Emmaus und Jerusalem enthielt?
Nicopolis - ('Amwas-Emmaus)† (ChristusRex)
Kurze Zusammenfassungen verschiedener Lit. zu Nikopolis.
(„Der Server unter www.christusrex.org braucht zu lange, um eine Antwort zu senden.“ Server offenbar down.)
Fleckenstein, Karl-Heinz/ Fleckenstein, Louisa: Emmaus-Nicopolis. Ausgrabungen 2001-2005.– Neckenmarkt: Novum Pro, 2010. S. 23-63 (teilweise einsehbar bei Google Books).
Die Position der Autoren wird schon aus dem Titel klar. Doch die Argumentation ist m.E. nicht immer stichhaltig (etwa zur Lesart 160 Stadien).

Apg 1,3; 10; 13

Die Apostelgeschichte ist die Fortsetzung des LkEv und wohl in den Jahren nach dem Erscheinen des Ev geschrieben worden.

Erweckte das LkEv den Eindruck, Jesus sei nur am Ostertag seinen Jüngern erschienen und dann in den Himmel aufgefahren, korrigiert die Apg dies, indem sie sagt (1,3), dass

er [Jesus] sich auch nach seinem Leiden lebendig erzeigte, durch viele sichere Kennzeichen, indem er während vierzig Tagen ihnen [den Aposteln] erschien und über das Reich Gottes redete.

indem er erschien: griech. ὀπτανόμενος v. ὀπτάνομαι „sich sehen lassen“, selbe Wurzel (op-) wie ὤφθη.

Ein solches Gespräch (über die Frage der Wiederherstellung Israels) wird 1,6-8 berichtet.

In seiner Predigt vor dem römischen Centurio Cornelius spricht Petrus über Tod und Auferstehung Jesu und dass die Apostel Zeugen dieser Ereignisse sind (Apg 10):

39 Und wir sind Zeugen alles dessen, was er [Jesus] im jüdischen Lande und zu Jerusalem getan; den haben sie ans Holz gehängt und getötet. 40 Diesen hat Gott am dritten Tage auferweckt und hat ihn offenbar werden lassen, 41 nicht allem Volke, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben nach seiner Auferstehung von den Toten. 42 Und er hat uns geboten, dem Volke zu verkündigen und zu bezeugen, daß er der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten sei.

hat...auferweckt: griech. ἤγειρεν, das Akt. zu ἠγέρθη.
offenbar: griech. ἐμφανής „sichtbar, offen(bar), öffentlich“, Wurzel φαν wie in ἐφάνη Mk 16,9 u. ἐφανερώθη Mk 16,12 (s.u.).
Zeugen: griech. μάρτυρες (davon dt. Märtyrer), ein Begriff aus der Gerichtssprache.

Hier kommt ein wichtiger Begriff ins Spiel: der des Zeugen. Mehrfach wird im NT der Anspruch der (Augen-)Zeugenschaft erhoben. Allerdings lässt sich der Begriff oft nicht von dem des Glaubenszeugnisses trennen (z.B. Joh 15,27; 1Petr 5,1), dem Bekenntnis des Glaubens, für das der Zeuge leiden muss, also zum Märtyrer wird (so z.B. Apg 22,20). Ziemlich klar liegt der Fall allerdings bei Lk 1,2 oder 2Petr 1,16 (griech. αὐτόπτης bzw. ἐπόπτης, beides bedeutet „Augenzeuge“), wo der Wortbestandteil -optēs (vgl. dt. Optik, s.o. ὤφθη ōpʰtʰē 1Kor 15,5) den Begriff des Sehens enthält.

2Petr 1,16 ist auch insofern interessant, als hier explizit unterschieden wird zwischen Fiktion („denn wir sind nicht klug ersonnenen Fabeln gefolgt“) und Faktum („sondern wir sind Augenzeugen seiner Herrlichkeit gewesen“). Ähnlich 2Tim 4,4 „und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zuwenden“ (Gegensatz Wahrheit - Fiktion). Vgl. auch 1Tim 1,3f „damit du etlichen Leuten gebietest, [...] auch nicht auf Legenden und endlose Geschlechtsregister zu achten“; 4,7 „der unheiligen Altweiberfabeln aber entschlage dich“. Für Fabel bzw. Legende steht im Griech. μῦθος mythos „Rede, Erzählung, Sage, Mythos, Fabel“.

Auch im 1. Johannesbrief betont der Autor gleich im Briefeingang die Augenzeugenschaft der Zeugen, denen er sich zugehörig weiß.

1 Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsren Augen gesehen haben, was wir beschaut und was unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – 2 und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns erschienen ist –; 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habet. [...]

ist erschienen: griech. ἐφανερώθη.
bezeugen: griech. μαρτυροῦμεν.

Sehen und bezeugen gehören eng zusammen und werden in V. 2 in einem Atemzug genannt (ähnl. 1Joh 4,14). Natürlich kann man den Wahrheitsgehalt dieses Anspruchs bestreiten. Aber die Verse zeigen, dass sich der Autor sehr wohl bewusst war, dass der Inhalt der christl. Verkündigung keine ewige Wahrheit ist, sondern etwas, das historische Gestalt gewonnen hat und als solches erfahren wurde.

Ähnlich sind Auferstehung und Zeugenschaft der Apostel verknüpft z.B. in der Pfingstpredigt des Petrus: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.“ (Apg 2,32) Ebenso Apg 3,15; 5,30-32.

In einer Predigt im pisidischen Antiochien zieht Paulus (wie schon Petrus in seiner Pfingstpredigt) Ps 16,10 als Schriftbeweis für die Auferstehung des Messias heran (Apg 13):

29 Und nachdem sie [die Bewohner Jerusalems bzw. ihre Obersten] alles vollendet hatten, was von ihm geschrieben steht, nahmen sie ihn vom Holze herab und legten ihn in eine Gruft. 30 Gott aber hat ihn von den Toten auferweckt. 31 Und er ist mehrere Tage hindurch denen erschienen, die mit ihm aus Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren, welche nun seine Zeugen sind vor dem Volk.
[...] 34 Dass er ihn aber von den Toten auferweckte, so daß er nicht mehr zur Verwesung zurückkehren sollte, hat er so ausgesprochen: «Ich will euch die gewissen Heiligtümer Davids geben.» 35 Darum spricht er auch an einem andern Ort: «Du wirst nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.» 36 Denn David ist, nachdem er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hat, entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen. 37 Der aber, den Gott auferweckte, hat die Verwesung nicht gesehen.

und legten ihn: aus dem Pl. konstruiert Lohmeyer (S. 352) eine von Mk 15,42-26; Lk 23,50-54; Mt 27,57-60 abweichende Überlieferung. Doch da Josef von Arimathäa einer der Obersten ist und es in der Predigt auf die Details nicht ankommt, ist die Aussage durchaus zu den Evv konform.
auferweckt: in V. 30 u. 37 ἤγειρεν, in V. 34 ἀνέστησεν v. ἀνίστημι „aufstellen, aufrichten, aufstehen machen, auf(er)wecken“.
erschienen: griech. ὤφθη

Mt 28

Auch das Matthäusevangelium ist nach der communis opinio nach der Zerstörung Jerusalems verfasst worden und hat Mk als Quelle benutzt. Ob es älter oder jünger als Lk ist, ist schwer zu entscheiden. Der altkirchlichen Überlieferung galt es (aus unbekannten Gründen) als das älteste Evangelium.

Mt berichtet, am Tag nach der Kreuzigung (also am Sabbat) seien die Hohenpriester und Pharisäer zu Pilatus gekommen, um ihn um die Bewachung des Grabes zu bitten, damit die Jünger nicht den Leichnam stehlen und dann behaupten können, Jesus sei auferstanden. Pilatus entspricht dem Wunsch und eine römische Wachmannschaft wird vor dem Grab plaziert.

Gegen die Geschichte von der Wache vor dem Grab erheben sich schwere historische Bedenken. Wieso sollten die Hohenpriester befürchten, Jesu Jünger würden eine Auferstehung vortäuschen? Seine Auferstehung am dritten Tag hat Jesus nur seinen Jüngern gegenüber angekündigt. Wieso brauchen die Hohenpriester die Römer zur Bewachung des Grabes? Wieso sollte Pilatus diesen seltsamen Wunsch erfüllen?

Als die Frauen am Sonntag zum Grab kommen („um das Grab zu besehen“), gibt es ein Erdbeben, ein Engel wälzt den schweren Stein weg, die römischen Wachen fallen in Ohnmacht.

1 Nach dem Sabbat aber, als der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu besehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, trat herzu und wälzte den Stein von der Tür hinweg und setzte sich darauf. 3 Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie der Schnee. 4 Vor seinem furchtbaren Anblick aber erbebten die Wächter und wurden wie tot.

Wie bei Mk sagt der Engel den Frauen, dass Jesus nicht im Grab ist, sondern auferstanden ist. (Das Wegwälzen des Steines hat also offenbar nur den Zweck, dass sich die Frauen davon überzeugen können, dass das Grab bereits leer ist – V. 6b: „Kommet her, sehet den Ort, wo er gelegen hat.“). Wie bei Mk wird angekündigt, dass die Jünger den Auferstandenen in Galiläa sehen werden.

Die Frauen eilen zu den Jüngern, da begegnet ihnen Jesus und fordert sie noch einmal auf, den Jüngern zu sagen, sie sollten nach Galiläa gehen, um dort Jesus zu sehen. Diese Begegnung der Frauen mit Jesus in der Nähe des Grabes findet sich hier zum ersten Mal. Sie wird später nur noch von Joh berichtet werden.

8 Und sie gingen eilends hinweg von dem Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu und umfaßten seine Füße und huldigten ihm. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Füchtet euch nicht! Gehet hin, verkündiget meinen Brüdern, daß sie nach Galiläa gehen sollen; dort werden sie mich sehen.

Inzwischen sind die Wachsoldaten wieder zu sich gekommen, gehen in die Stadt und berichten den Hohenpriestern, was vorgefallen ist. Diese geben den Soldaten Geld, damit sie behaupten, die Jünger seien in der Nacht gekommen und hätten Jesu Leichnam gestohlen, während sie schliefen. Auch hier erheben sich schwere Bedenken: Die Soldaten erstatten nicht ihrem Befehlshaber, sondern den jüdischen Priestern Bericht? Sie sollen behaupten, sie hätten auf Wache geschlafen? Ein römischer Soldat, der das zugibt, muss mit schwerer Bestrafung rechnen (vgl. Petron. 112,5f). Es ist kaum glaubhaft, dass der Einfluss der Hohenpriester sie vor der Strafe schützen konnte. Wäre es für die Soldaten nicht das sicherste, die Wahrheit zu sagen, dass ein starkes Erdbeben den Stein bewegt hat und sie ohnmächtig wurden?

Die Jünger gehen nach Galiläa auf einen Berg und sehen endlich Jesus. Dieser erteilt ihnen den bekannten Missionsauftrag. Hier wird nur zum ersten Mal die Erscheinung des Auferstandenen in Galiläa, die schon in Mk angekündigt wird, berichtet.

16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker [...]

Davon dass Petrus der erste Auferstehungszeuge sei, weiß Mt nichts. Es sind, wie später bei Joh, die Frauen, denen die erste Begegnung mit dem Auferstandenen zuteil wird.

Joh 20-21

Das Johannesevangelium ist nach allgemeiner Auffassung das jüngste der vier Evv und ist spätestens um 100 entstanden.

(Nur?) Maria Magdalena kommt zum Grab und findet den Stein weggewälzt und das Grab leer. Sie läuft zu Petrus und einem weiteren Jünger (dem ominösen „Jünger, den Jesus liebhatte“) und berichtet ihnen. Da laufen die beiden Jünger zum Grab, gehen hinein und finden nur die Tücher, in die der Leichnam Jesu gewickelt war. (Damit soll wohl Mutmaßungen widersprochen werden, der Leichnam sei woanders hingebracht worden.) Eigenartigerweise wird von dem anderen Jünger gesagt, dass er die Gruft betrat „und sah und glaubte“ (V. 8) Die beiden gehen wieder heim.

Maria steht (nachher?) weinend vor dem Grab und sieht zwei Engel in dem Grab sitzen und begegnet Jesus:

11 Maria aber stand draußen vor der Gruft und weinte. Wie sie nun weinte, bückte sie sich in die Gruft 12 und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, den einen zu den Häupten, den anderen zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. 13 Und diese sprechen zu ihr: Weib, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben! 14 Und als sie das gesagt, wendet sie sich um und sieht Jesus dastehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. 15 Jesus spricht zu ihr: Weib, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, so will ich ihn holen! 16 Jesus spricht zu ihr: Maria! Da wendet sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni! (das heißt: Meister!) 17 Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Da kommt Maria Magdalena und verkündigt den Jüngern, daß sie den Herrn gesehen und daß er solches zu ihr gesprochen habe.

Gärtner: wörtl. Gartenaufseher; wie Joh 19,41 explizit sagt, lag das Grab in oder an einer Gartenanlage.
Rühre mich nicht an: Jesus ist nicht mehr Marias geliebter Rabbuni. Der Auferstandene ist zwar einerseits noch als der gekreuzigte Jesus erkennbar (wie die folgende Begegnung Jesu mit den Jüngern zeigt), aber andererseits gehört er jetzt einer anderen Wirklichkeit an. Die Stuttgarter Erklärungsbibel drückt es so aus: „Auferstehung ist nicht Rückkehr in altvertraute Verhältnisse und Bindungen, sondern Aufbruch und Durchbruch in eine ganz neue Dimension des Lebens aus Gott und mit Gott.“

Welche Funktion die Engel im Grab haben, ist nicht recht klar. Während der andere Jünger bereits durch das leere Grab und den Anblick der Tücher zum Glauben gekommen ist (20,8), glaubt Maria offenbar, dass der Leichnam Jesu umgebettet (oder von Feinden geraubt?) wurde. Wie die Emmausjünger Jesus erst am Brotbrechen erkennen, erkennt Maria ihn erst an seiner Anrede an sie. Sie ist damit die erste, der eine Begegnung mit dem Auferstandenen zuteil wird. Sie bekommt den Auftrag, den Jüngern mitzuteilen, dass Jesus zu seinem Vater hinaufsteigen wird.

Am Abend dieses Tages tritt Jesus trotz verschlossener Türen mitten unter seine Jünger und zeigt ihnen seine Wundmale. Dann erteilt er ihnen einen Sendungsauftrag und die Vollmacht zur Sündenvergebung.

19 Als es nun an jenem ersten Wochentag Abend geworden war und die Türen verschlossen waren an dem Ort, wo sich die Jünger versammelt hatten, aus Furcht vor den Juden, — kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, als sie den Herrn sahen. 21 Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Und nachdem er das gesagt, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfanget heiligen Geist!

Thomas war bei dieser Begegnung mit Jesus nicht dabei. Als ihm die anderen Jünger berichten, sie hätten Jesus gesehen, kann das Thomas nicht glauben; er will greifbare Beweise, die Wundmale sehen und befühlen. Eine Woche später – diesmal ist Thomas mit dabei – tritt Jesus wieder unter seine Jünger. Er fordert Thomas auf, seine Wundmale zu betasten und sich zu überzeugen, dass er es ist. Thomas ist jetzt überzeugt.

In einer Art Anhang zum Ev wird eine weitere Begegnung mit dem Auferstandenen, und zwar in Galiläa (vgl. die entsprechende Ankündigung bei Mk und Mt), berichtet. Sieben der Jünger sind am See Genezareth und beschließen zu fischen. Sie fangen aber die ganze Nacht nichts. Als sie am Morgen aufs Ufer zufahren, steht dort ein Mann, der ihnen sagt, sie sollen das Netz noch einmal auswerfen. Und diesmal ist es so voll, dass sie es kaum einziehen können. Der Jünger, den Jesus liebhatte, erkennt: es ist der Herr. Als die Jünger ans Land steigen, ist dort ein Feuer. Jesus und die Jünger grillen Brot und Fische und halten Mahl.

4 Als es aber schon Morgen wurde, stand Jesus am Gestade; doch wußten die Jünger nicht, daß es Jesus sei. 5 Spricht nun Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? 6 Sie antworteten ihm: Nein! Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz auf der rechten Seite des Schiffes aus, so werdet ihr finden! Da warfen sie es aus und vermochten es nicht mehr zu ziehen vor der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Simon Petrus: Es ist der Herr! [...] 9 Wie sie nun ans Land gestiegen waren, sehen sie ein Kohlenfeuer am Boden und einen Fisch darauf liegen und Brot. 10 Jesus spricht zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Da stieg Simon Petrus hinein und zog das Netz auf das Land [...] 12 Jesus spricht zu ihnen: Kommet zum Frühstück! Aber keiner der Jünger wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es der Herr war. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt es ihnen, und ebenso den Fisch. 14 Das war schon das drittemal, daß sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

offenbarte: ἐφανερώθη v. φανερόω „sichtbar machen, offenbaren, zeigen“.

Wie bei den Emmausjüngern (und wohl auch bei Maria Magdalena) erscheint Jesus hier als ein Fremder und gibt sich auch nicht zu erkennen. Vielmehr erkennen die Jünger ihn an seinem Reden und Handeln.

Ps-Mk (Mk 16,9ff)

Schon die frühe Kirche hat es als unbefriedigend empfunden, dass das Mk-Ev mit dem Entsetzen und dem furchtsamen Schweigen der Frauen endet und nichts von den Begegnungen mit dem Auferstandenen berichtet. Daher ist im 2. Jh. ein ergänzender Mk-Schluss entstanden, der die Berichte der übrigen Evv zusammenfasst. Er hat also wohl wenig eigenständigen Wert, zeigt aber, was man damals für wesentlich hielt.

9 Als er aber früh am ersten Tage der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria Magdalena, von welcher er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. 10 Diese ging hin und verkündigte es denen, die mit ihm gewesen waren, welche trauerten und weinten. 11 Und als diese hörten, daß er lebe und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht. 12 Darnach offenbarte er sich zweien von ihnen auf dem Wege in einer andern Gestalt, da sie sich aufs Land begaben. 13 Und diese gingen hin und verkündigten es den übrigen; aber auch ihnen glaubten sie nicht. 14 Nachher offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie zu Tische saßen, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hätten. 15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung! [...] 19 Der Herr nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. [...]

erschien er: ἐφάνη v. φαίνω, im Passiv „erscheinen, sich zeigen, sichtbar werden“.
offenbarte er sich: ἐφανερώθη (s.o. zu Joh 21,14)

Dem JohEv folgend ist Maria Magdalena die erste Auferstehungszeugin.

Was ist Auferstehung?

Die Evv bieten kaum ein konsistentes Bild des Ostergeschehens. Die Frauen kommen zum Grab und finden den Stein weggewälzt und das Grab leer. Hiermit hören die Gemeinsamkeiten schon wieder auf. Einem Überlieferungszweig (1Kor, Lk) zufolge ist Simon Petrus der erste, der dem Auferstandenen begegnet. Nach einem anderen (Mt, Joh) sind es die Frauen, die zum Grab gegangen sind, um den Leichnam einzubalsamieren. Mk und Mt wissen von einem weiß gekleideten Mann / Engel im bzw. am Grab, Lk und Joh von zwei.

An Versuchen, aus diesen Berichten einen Ablauf zu rekonstruieren, hat es nicht gefehlt. Aber Jesu Sterben und Auferstehen hat seine Anhänger mit der Wucht einer Naturkatastrophe getroffen. Und wie beim Untergang der Titanic ist es schwer, aus den Mosaiksteinchen der Einzelerfahrungen und Erinnerungsfetzen von Menschen in einer Ausnahmesituation ein widerspruchsfreies Bild des Ablaufs herzustellen.

Viele maßgebliche Theologen bestreiten zwar nicht, dass Gott am Gekreuzigten irgendwie gehandelt hat, mögen aber nicht glauben, dass die Jünger tatsächlich eine Begegnung mit dem Auferstandenen hatten, sowie die Evv es beschreiben. Sie nehmen stattdessen an, den Jüngern sei irgendwie klar geworden, dass Gott Jesus nicht im Tode gelassen habe, sondern als Erhöhter lebendig sei und sie beauftrage, die Gute Nachricht weiterzutragen. Allerdings können diese Theologen nicht schlüssig erklären, wie es dazu gekommen ist, nachdem in der Kreuzigung ihres Meisters die Welt der Jünger zusammengebrochen ist. Nicht selten erklären sie diese Frage für irrelevant (wie Bultmann, wenn ich richtig verstanden habe) oder landen in der Aporie (wie Kessler mit Verweis auf Vögtle).

Wie schon weiter oben erwähnt, haben die ersten Christen, abweichend von der jüdischen Praxis, den ersten Tag der Woche zu ihrem „Feiertag“ gemacht, an dem sie sich zur Gemeindeversammlung trafen. Wie ist das zu erklären, wenn an diesem Tag nicht wirklich etwas Weltbewegendes passiert ist, wenn die Überzeugung, Jesus sei auferstanden, erst durch längere theologische Reflexion entstanden ist?

War das Grab leer?

Wir wissen nicht im Detail, wie sich die Jünger die Auferstehung dachten. Und wir wissen nicht, ob das leere Grab ein unabdingbarer Bestandteil ihres Auferstehungsglaubens war. Hätten sie einen Widerspruch dazu gesehen, wenn Jesu Leichnam im Grab verwest wäre? Ich vermute ja. Welchen Reim hätten sie sich auf die Begegnungen mit dem Auferstandenen machen sollen, wenn gleichzeitig sein Leichnam im Grab vor sich hinfaulte? War das Grab nicht leer, dann waren die Erscheinungen Jesu eher Gespenstersichtungen als Erscheinungen eines Auferstandenen.

Die Evv gehen offenbar von der Vorstellung aus, dass Gott Jesus aus dem Tod zurückgeholt hat und zugleich seinen toten Leib verwandelt hat: Zwar kann Jesus sprechen und essen, aber er hat anscheinend keinen irdischen Aufenthaltsort mehr: er erscheint „aus dem Nichts“ und verschwindet wieder. Bei einigen Begegnungen ist Jesus offenbar als solcher zu erkennen und seine Wundmale werden als Erkennungszeichen verwendet. Bei anderen erscheint er als ein geheimnisvoller Fremder, den wohl nur ein Glaubender erkennen kann.

Die Theologie behauptet heute: „Tatsächlich beruht der Glaube an Jesu Auferstehung nach den neutestamentlichen Zeugnissen grundlegend auf dem Erscheinen des Auferstandenen, nicht auf dem Faktum des leeren Grabes.“ (Stuttgarter Erklärungsbibel, Erkl. nach Mt 28,10) Behauptungen wie diese dienen vor allem dazu, das Faktum des leeren Grabes in Zweifel zu ziehen. Tatsache ist aber, dass nach den Evv das leere Grab am Anfang stand. Es scheint auch nie einen Kult um das Grab Jesu gegeben zu haben. Da es leer war, wird es von seinem Eigentümer Josef von Arimathäa wohl zu seinem ursprünglichen Zweck verwendet worden sein.

Der Grund, warum selbst Theologen, die die Auferstehung nicht grundsätzlich leugnen, das leere Grab strikt ablehnen, liegt in einer weltanschaulichen Vorentscheidung. Es wäre (wie Kessler mehrmals formuliert, z.B. S. 471) eine „Wiederbelebung des Leichnams“, es würde bedeuten, dass ein supranaturalistischer Eingriff von oben, ein Durchbrechen der Naturgesetze, ein Mirakel geschehen ist, etwas wovor offenbar vielen Theologen graust.

Eine „Wiederbelebung des Leichnams“ war die Auferweckung der Tochter des Jairus, des Jünglings von Nain und des Lazarus. (Sie mussten eines lieben Tages doch wieder sterben.) Doch der irdische Leib Jesu wurde nicht ins alte Leben zurückgerufen, sondern er wurde „transformiert“, wie Paulus es für die bei der Wiederkunft Jesu noch lebenden Christen erwartete (1Kor 15,51).

Weiters wird behauptet, das leere Grab sei für den Auferstehungsglauben gar nicht notwendig, die jüdische Anthropologie erlaube sehr wohl eine Auferweckung ohne die Materie des verstorbenen Körpers. Dass nach Ansicht der Theologie die Geschichte vom leeren Grab als logische Folge aus dem Auferstehungsglauben entstanden ist, zeigt aber doch, dass die jüdische Anthropologie eher damit rechnete, dass Gott in der Auferweckung mit der Materie des Leibes, zumindest im Falle Jesu, etwas getan hat.

Einen deutlichen Hinweis darauf gibt auch Mt 27,64, wo die jüdischen Autoritäten zu Pilatus sagen: „So befiehl nun, daß das Grab sicher bewacht werde bis zum dritten Tag, damit nicht etwa seine Jünger kommen, ihn stehlen und zum Volke sagen: Er ist von den Toten auferstanden, und der letzte Betrug ärger werde als der erste.“ War das leere Grab für den Auferstehungsglauben unnötig, hätten die Jünger die Auferstehung auch behaupten können, ohne den Leichnam stehlen zu müssen. Eine Bewachung des Leichnams wäre somit überflüssig gewesen.

Alttestamentlicher Hintergrund für diese Vorstellung mag die LXX-Version von Ps 16,10 („du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe“) sein, das in der Apg explizit auf Jesus angewendet wird, z.B. in der Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2,27; 29-32): „[...] hat er [David] in dieser Voraussicht [im zitierten Ps 16] von der Auferstehung Christi geredet, daß seine Seele nicht im Totenreich gelassen werde, noch sein Fleisch die Verwesung sehe“ (V. 31). Ähnlich Paulus in seiner Predigt in Antiochien (Apg 13,35-37): „Denn David […] hat die Verwesung gesehen. Der aber, den Gott auferweckte, hat die Verwesung nicht gesehen.“ (V. 36)

Verwesung: griech. διαφθορά „Vernichtung, Verderben, Zerstörung“; im Hebr. steht bei Ps 16,10 שַׁחַת „Grube, Grab, Totenreich“, die Grube sehen bedeutet nach Gesenius soviel wie „sterben“. Offenbar haben die Übersetzer der LXX שַׁחַת vom Verbum שׁחת „verderben, zerstören“ abgeleitet; Gesenius stellt es zu שׁוח „sinken“.

Ein Argument aus einem Vortrag von N. T. Wright: Wäre der Leichnam Jesu im Grab geblieben und dort verwest, hätten seine Angehörigen nach ein bis drei Jahren die Gebeine einsammeln und in ein Ossuar legen müssen. Wäre das passiert, hätten die Angehörigen Jesu, die zur Urgemeinde in Jerusalem gehörten (seine Mutter Maria, der Herrenbruder Jakobus, s. Apg 1,14; 12,17; 15,13; 21,18; Gal 1,19; 2,9), gewusst, wo Jesu Ossuar steht. Es ist kaum zu erklären, wie angesichts eines physischen Gegenbeweises das Gerede vom leeren Grab entstehen hätte können.

Das Bestreiten des leeren Grabes hat in Wahrheit gar nichts mit historischer Kritik zu tun. Sein Hauptgrund liegt vielmehr darin, dass das leere Grab nicht zur Auferstehungsvorstellung vieler Theologen passt, die (gegen 1Kor 15,35-58) leugnen, dass Auferstehung etwas mit dem Leib zu tun hat.

Alternative Erklärungen

Wenn jemand erklären will, wie es zum Auferstehungsglauben gekommen ist, obwohl Jesus nicht auferstanden ist, muss er zwei Dinge erklären oder glaubwürdig bestreiten: das leere Grab und die Erscheinungen des Auferstandenen. Ich habe im Laufe der Zeit so manche alternative Erklärung gehört, weiß aber leider nicht, von wem sie stammen oder wo man sie nachlesen kann.

Die Scheintodhypothese

Jesus war gar nicht tot, er hat sich in der Kühle des Grabes von seinen Verletzungen erholt und ist als Auferstandener vor seine Jünger getreten.

Eine Kreuzigung ist keine Verstauchung. Das Durchnageln der Füße verursacht so schwere Verletzungen, dass man nicht nach zwei Tagen schon wieder gehen kann. Und wozu hätte der Schwindel an den Jüngern gut sein sollen? Und wohin ist Jesus danach verschwunden? Hat er sich in Luft aufgelöst, sich ins Privatleben zurückgezogen oder ist er nach Indien emigriert? Dass Jesus bei seiner Kreuzigung wirklich gestorben ist, steht doch außerhalb jeden vernünftigen Zweifels.

Diskutiert wird die genaue Todesursache Jesu. Während den beiden anderen, die mit ihm gekreuzigt wurden, angesichts des nahenden Festsabbats die Beine gebrochen werden, um einen raschen Erstickungstod herbeizuführen, ist Jesus bereits tot. Vielleicht starb er an einem Volumenmangelschock (Blutverlust, Dehydratation), vielleicht an Herzversagen. Viel spekuliert wurde über das getrennte Austreten von Blut und Wasser (=seröser Flüssigkeit?) aus der Lanzenstichwunde (Joh 19,34).

Die Hypothese vom verwechselten Grab

Die Frauen, die Jesu Grablegung beobachtet hatten, haben sich das Grab nicht gemerkt und dann im falschen Grab gesucht, deshalb war es leer. Dann haben sie in ihrer Trauer einen Gärtner für den auferstandenen Jesus gehalten.

Das würde das leere Grab erklären, aber doch nicht, wieso die Jünger daran glaubten, dass Jesus auferstanden war. Sie kannten Jesus gut genug, um nicht einfach irgendwen mit ihm zu verwechseln. Die häufig vorgebrachte Behauptung, Hingerichtete seien grundsätzlich in ein Massengrab geworfen worden, darf durch den Fund der Gebeine eines Gekreuzigten in einem Ossuar in Givʿat ha-Mivtar (jüdische Siedlung in Ostjerusalem) im Jahr 1968 als relativiert betrachtet werden: auch Gekreuzigte konnten mitunter regulär bestattet werden.

Dieses Ossuar Nr. 4 von Grab 1, Kammer B, ist vieldiskutiert, da es der erste archäologische Beleg einer Kreuzigung in Palästina ist und da der im Fersenbein steckende Nagel beweist, dass die Römer den Delinquenten tatsächlich auch annagelten. Das Ossuar trägt zwei Aufschriften: יהוחנן Jehôḥānān und יהוחנן בן חגקול Jehôḥānān bæn ḤGQWL (= Ḥagqôl?); Naveh erwägt, statt des unverständlichen ḤGQWL ein חזקול Ḥazqûl oder חזקיל Ḥæzqêl (~ Hesekiel) zu lesen. Yadin schlägt vor, העקול hā-ʿāqûl „des Gekrümmten, Verdrehten“ zu lesen (Yadin übersetzt „the one hanged with knees apart“). Diskussion der Lesung bei David W. Chapman, Ancient Jewish and Christian Perceptions of Crucifixion, S. 87 (Google Books), †Foto der Aufschrift† bei Blogspot.com (Link leider tot).

Die Hypothese vom ausgemachten Schwindel

Die Jünger selber haben den Leichnam ihres toten Meisters aus dem Grab gestohlen und irgendwo verscharrt und danach behauptet, er sei auferstanden und ihnen begegnet.

Die Jünger waren nach dem Tod ihres Meisters am Boden zerstört und versteckten sich vor der jüdischen Obrigkeit. Was hat ihnen so plötzlich den Mut zu so einem Schwindel gegeben? Und wieso waren sie bereit, für ihre Behauptungen den Märtyrertod zu erleiden, wenn sie doch wussten, dass das alles nur Schwindel war?

Die Hypothese vom verwechselten Jesus

Nicht Jesus starb am Kreuz, sondern Brian. Oder Barabbas. Oder sonst jemand, der ihm ähnlich sah. Deshalb konnte Jesus dann vor seine Jünger hintreten und so tun, als sei er von den Toten auferstanden. Oder die Jünger wussten das von Anfang an und haben bei dem Schwindel mitgemacht.

Man darf doch annehmen, dass die Jünger Jesus gut genug kannten, um zu wissen, ob er es war, der da in Gethsemane verhaftet wurde und am nächsten Tag am Kreuz hing. Es stellen sich dieselben Fragen wie bei der Scheintodhypothese: Wozu das alles? Und wohin ist Jesus dann verschwunden? Geht man davon aus, dass die Jünger von Anfang an wussten, dass Jesus nicht gekreuzigt worden war, stellen sich dieselben Fragen, wie bei der Schwindelhypothese.

Die Visionshypothese

Dieser Erklärungsversuch geht zurück auf David Friedrich Strauß (1808-1874). Jesus war zwar tot, aber durch Visionen (oder Halluzinationen) gelangten die Jünger zur Überzeugung, dass Gott ihren Meister auferweckt und/oder zu seiner Rechten erhöht hatte. Erst später wurde dieser Glaube transformiert zur leiblichen Auferstehung, die verlangte, dass das Grab leer war. Daher wurde dann die Legende vom leeren Grab konstruiert.

Wie konnten so unterschiedliche Personen so übereinstimmende Visionen haben? Außerdem steht die Hypothese im Widerspruch zu den Texten. Am Anfang steht die Verwunderung bzw. Erschütterung über das leere Grab.

Dass der ursprl. kathol. Theologe Thomas Breuer in seinem Worthaus-Vortrag von 2012 Worauf gründet sich der Glaube an die Auferweckung Jesu von den Toten? | 2.3.2 auch fast 180 Jahre nach Straußens epochemachendem Werk über dessen Thesen nicht hinausgekommen ist, zeigt, dass die historisch-kritische Methode ein Problem hat.

Die Sache Jesu geht weiter

Der evangelische Theologe Willi Marxsen (1919-1993) behauptet, vereinfacht gesagt, dass Jesus nicht auferstanden, den Jüngern auch nie erschienen ist; aber den Jüngern sei irgendwie klar geworden, dass sie im Sinne ihres Meisters weitermachen müssten. Diese Erkenntnis sei bildhaft in die Geschichte von der Auferstehung gekleidet worden.

Wie sollen die Jünger zu dieser Erkenntnis gekommen sein, da doch ihr Meister mit seiner Mission gescheitert und am Kreuz geendet ist? Und wozu die ausführliche Darlegung von Jesu Passion in den Evv, wenn sie nicht letztlich durch die Auferstehung aufgehoben ist in einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang? Das Kerygma in den Evv müsste sich dann meilenweit vom ursprünglichen nachösterlichen Glauben der Jünger entfernt haben. Und wie ist diese bildhafte Geschichte entstanden? Die Jünger waren praktische Realisten und keine existentialischen Theologen. Wenn jemand tot war, dann war er tot und lebte nicht irgendwie auf eine mystische Weise weiter.

Ostern

Zum Wort Ostern s. Etymologica Selecta: Ostern

Osterhase

Wie der Hase (in angelsächs. Ländern stattdessen meist das Kaninchen) zu der Ehre gekommen ist, das Symboltier für Ostern zu sein, ist ziemlich unklar. Manche sehen in ihm ein ursprl. heidnisches Fruchtbarkeits- und Frühlingssymbol. Doch das erklärt nicht, wieso er die Ostereier bringt. In früherer Zeit waren es in manchen Regionen Deutschlands andere Tiere, die diese Funktion ausübten: der Fuchs, der Kuckuck, der Storch, der Hahn. Eine der frühesten Erwähnungen des eierbringenden Osterhasen dürfte eine in diesem Zusammenhang oft genannte Schrift des 17. Jh. sein, als deren Autor der Arzt Georg Franck von Franckenau genannt wird.

In Germania Superiore, Palatinatu nostrate, Alsatia & vicinis locis, ut & in Westphalia vocantur hæc ova di Hasen-Eier a fabula, qua simplicioribus & infantibus imponunt Leporem (der Oster-Hase) ejusmodi ova excludere, & in hortis in gramine, fruticetis &c. abscondere ut studiosius a pueris investigentur, cum risu & jucunditate seniorum. In Oberdeutschland, der einheimischen Pfalz, dem Elsass und benachbarten Gegenden, wie auch in Westfalen werden diese Eier die Haseneier genannt, nach der Geschichte, mit der man den Naiveren und den Kindern aufbindet, der Hase (der Osterhase) lege derartige Eier und verstecke sie in den Gärten im Gras und in Gebüschen usw., damit sie umso eifriger von den Knaben gesucht werden, unter dem Lachen und Vergnügen der Älteren.

Franck von Franckenau, Georg; Richier, Johannes: De ovis paschalibus. Von Oster-Eyern.- Heidelberg, 1682. § 9 (S. 6) (Scan bei Uni Heidelberg)

Das Titelblatt sagt, es handle sich um eine „continuatio disputatione ordinaria disquirens [...], quam [...] praeside Dn. Georgio Franco [...] exhibet Johannes Richier“. Also Johannes Richier legt seine Untersuchung zu dem Thema vor, die in einer universitäten Disputation unter der Leitung von Georg Franck diskutiert wird. Nach heutigen Maßstäben wäre Richier der Autor, Franck der Dissertationsbetreuer. Wer welchen Anteil am Text hat, ist schwer zu sagen.

Osterei

Ähnlich ist es mit dem Osterei. Das Ei war schon in vorchristl. Zeit ein Symbol für Fruchtbarkeit, aber auch Wiedergeburt. So konnte es auch zum Symbol der Auferstehung werden. Vielleicht hat auch ein ganz prosaischer Grund dazu beigetragen, dass es so populär wurde: in der sechswöchigen vorösterlichen Fastenzeit fiel eine Menge ungegessener Eier an. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht, die Eier wurden gekocht, verziert und zu Ostern verschenkt.


Autor: Michael Neuhold (E-Mail-Kontakt)
Letzte Aktualisierung: 4. Apr. 2024