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Der Teich Bethesda
In Joh 5,1-9 wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der seit 38 Jahren krank ist und in den Hallen des Teichs Bethesda (so die aus Luther, Zürcher und King James gewohnte Namensform) liegt und auf Heilung hofft. Jesus macht ihn schließlich (an einem Sabbat) gesund. Die Geschichte ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits zeigt sie, dass es bei Jesus keine hoffnungslosen Fälle gibt; auch nach 38 Jahren vergeblichen Mühens und Hoffens kann er gesund machen. Andererseits heilt Jesus von den vielen Kranken, Blinden und Lahmen nur einen einzigen; die anderen müssen weiter auf die Heilkraft des Wassers hoffen. Um es mit einem Bonmot des Kabarettisten Volker Pispers zu sagen: jeder kann im Lotto gewinnen – aber nicht alle.

| Quelle: | Wikimedia |
|---|---|
| Urheber: | unbekannt |
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Die geographische Angabe zu der Geschichte in Joh 5,2 lautet nach NA28: ἔστιν δὲ ἐν τοῖς Ἱεροσολύμοις ἐπὶ τῇ προβατικῇ κολυμβήθρα ἡ ἐπιλεγομένη Ἑβραϊστὶ Βηθζαθὰ πέντε στοὰς ἔχουσα. „Es gibt aber in Jerusalem am Schaftor ein Schwimmbecken, auf Hebräisch beigenannt Bethzata, das fünf Säulenhallen hat.“
Das im Text von NA28 genannte Schaftor dürfte das Osttor der damaligen Stadtmauer gewesen sein, das auch auf der Madaba-Karte (unter den Buchstaben ΟΥϹΑ der Beschriftung) als von zwei Türmen flankiertes Tor dargestellt ist. Das Tor trug im Laufe der Geschichte viele Namen (Jerichotor, Josaphattor, Stephanstor). Bei der Neuerrichtung unter Süleyman I. im 16. Jh. wurden auf der Außenseite zwei Spolien mit Löwenreliefs verbaut, nach denen man das Tor heute Löwentor nennt. (Schlatter, Topographie, bezweifelt allerdings, dass das Schaftor beim heutigen Löwentor lag.)
Eine Anzahl von Auslegern liest allerdings κολυμβήθρᾳ, z.B. Weiss, Jeremias (Wiederentdeckung S. 8), Wikenhauser oder Maier, der so übersetzt: „Es ist aber in Jerusalem beim Schafteich die auf hebräisch Bethesda genannte Stätte, die fünf Säulenhallen hat.“ Die Unzialhss. schreiben nämlich Iota subscriptum nicht, daher kann ΠΡΟΒΑΤΙΚΗ ΚΟΛΥΜΒΗΘΡΑ Nom. (so ist wohl der ursprl. Text des Cod. Sinaiticus, dem ἐπὶ τῇ fehlt, zu verstehen) oder Dat. sein. Doch sagt Bultmann zum Text dieses Verses:
Das ἡ ἐπιλεγ. fordert, daß die so charakterisierte Größe vorher genannt ist (Bl.-D. § 412,2); also ist κολυμβήθρα Nom., und zu ἐπὶ τῇ προβατικῇ ist πύλῃ zu ergänzen (Bl.-D. § 241,6; Br. Das Schaftor ist Neh 3 1. 32 12 39 genannt; es liegt nördlich vom Tempel). Aus Mißverständnis der Konstruktion entstanden Varianten: man faßte κολ. als Dat. (s. Tischendorf; so B. Weiß und Nestle, ZNTW 3 (1902), 172) oder strich ἐπὶ τῇ sodaß προβ. zum Nom. wurde (ℵ* 554 e al. s. Br. z.St.), oder setzte ἐν statt ἐπί (ℵc ADGL al; hierbei scheint προβ. als Stadtteil verstanden zu sein; vgl. in inferiore parte a b ff2).
Zum Vergleich der Text der drei großen Unzialhss. Cod. Vaticanus (B), Cod. Sinaiticus (ℵ) und Cod. Alexandrinus (A) (s.a. Textvergleich beim CNTR):
| B | ΕϹΤΙΝ | ΔΕ ΕΝ ΤΟΙϹ ΙΕΡΟϹΟΛΥΜΟΙϹ | ΕΠΙ ΤΗ | ΠΡΟΒΑΤΙΚΗ ΚΟΛΥΜΒΗΘΡΑ | Η ΕΠΙΛΕΓΟΜΕΝΗ | ΕΒΡΑΙϹΤΙ | ΒΗΘϹΑΙΔΑ | ΠΕΝΤΕ ϹΤΟΑϹ ΕΧΟΥϹΑ |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ℵ | ΕΝΤΙΝ | ΔΕ ΕΝ ΤΟΙϹ ΙΕΡΟϹΟΛΥΜΟΙϹ | ΠΡΟΒΑΤΙΚΗ ΚΟΛΥΜΒΗΘΡΑ | ΤΟ ΛΕΓΟΜΕΝΟΝ | ΕΒΡΑΙϹΤΙ | ΒΗΘΖΑΘΑ | ΠΕΝΤΕ ϹΤΟΑϹ ΕΧΟΥϹΑ | |
| A | ΕϹΤΙΝ | ΔΕ ΕΝ ΤΟΙϹ ΙΕΡΟϹΟΛΥΜΟΙϹ | ΕΝ ΤΗ | ΠΡΟΒΑΤΙΚΗ ΚΟΛΥΜΒΗΘΡΑ | Η ΕΠΙΛΕΓΟΜΕΝΗ | ΕΒΡΑΙϹΤΙ | ΒΗΘΕϹΔΑ | ΠΕΝΤΕ ϹΤΟΑϹ ΕΧΟΥϹΑ |
Weiss' nicht ganz unberechtigter Einwand: Wie sollte ein mit den Örtlichkeiten
nicht vertrauter Leser wissen, dass hier πύλῃ „Tor“ zu
ergänzen ist? Die Ellipse ist hart, aber nicht unmöglich. Das einzige andere
Beispiel (das daher immer zitiert wird) findet sich in der Vita Polycarpi des
(Pseudo-)Pionius, § 3: Zu einer gottesfürchtigen Frau in Smyrna namens Kallisto
wird ein Engel gesandt. Der fordert sie auf: Καλλιστώ, ἀναστᾶσα
πορεύθητι ἐπὶ τὴν καλουμένην Ἔφεσιακήν […] „Kallisto, steh auf und gehe
zum ephesisch genannten (Tor) […]“. So der Text bei Lightfoot, der dafür auf
Joh 5,2 verweist; Duchesne fügt ein πυλὴν τήν (sic!
müsste πύλην heißen) hinzu.
(Es sei angemerkt, dass der Hrsg. des Migne-Bandes der Werke des Kyrillos von
Jerusalem stattdessen ἀγορᾷ, also „Vieh-, Schafmarkt“,
ergänzt.)
Und wenn man προβατικῇ κολυμβήθρᾳ liest, dann fehlt das (fem.!) Bezugswort zu ἡ ἐπιλεγομένη, was wiederum eine Ellipse darstellt. Was will man dann ergänzen? Soll der Name selber als Fem. verstanden werden? Was dann nach Zahn (S. 281 Fn. 10) ungefähr so lautet: „Es befindet sich aber in Jerusalem am Schafteich die auf hebräisch so (oder mit Beinamen) genannte Bethesda, welche 5 Hallen hat.“
Ein Schafteich ist in der Literatur vor dem JohEv unbekannt. Dennoch haben die Kirchenväter und frühchristl. Schriftsteller den Text so verstanden und reden im Zusammenhang mit dieser Heilungsgeschichte vom „Schafteich“ (eine Auflistung der Stellen bei Jeremias, Wiederentdeckung S. 6).
Als Beispiel sei aus Eusebios' Onomastikon (frühes 4. Jh.) zitiert:
| Βηζαθά. κολυμβήθρα ἐν Ἱερουσαλήμ, ἥτις ἐστὶν »ἡ προβατική«, τὸ παλαιὸν εʹ στοὰς ἔχουσα. | Bēzatha: ein Schwimmbecken in Jerusalem, welches »das schafige« (d.h. Schafbecken, Schafteich) ist, das einst 5 Säulenhallen hatte. |
| καὶ νῦν δείκνυται ἐν ταῖς αὐτόθι λίμναις διδύμοις, ὧν ἑκατέρα μὲν ἐκ τῶν κατ’ ἔτος ὑετῶν πληροῦται, θατέρα δὲ παραδόξως πεφοινιγμένον δείκνυσι τὸ ὕδωρ, ἴχνος, ὥς φασι, φέρουσα τῶν πάλαι καθαιρομένων ἐν αὐτῇ ἱερείων. | Auch jetzt (noch) wird es in den Zwillingsteichen daselbst gezeigt, von denen beide aus den jährlichen Regenfällen gefüllt werden, der eine aber das Wasser sonderbar gerötet zeigt, womit er eine Spur, wie man sagt, der einst in ihm gereinigten Opfertiere trägt. |
| παρ’ ὃ καὶ προβατικὴ καλεῖται, διὰ τὰ θύματα. | Weswegen er auch schafisch (Schafteich) genannt wird, wegen der Opfer. |
Eusebios hatte also einen Evangelientext mit der Namensform Bē(th)zatá, vielleicht ganz ähnlich dem des Cod. Sinaiticus. Die Anlage bestand aus zwei Becken. Nicht ganz erklärlich ist, warum das Wasser eines Beckens rötliche Färbung aufwies. Die Säulenhallen haben zu Eusebios' Zeit offenbar nicht mehr gestanden.
Die lat. Wiedergabe des Hieronymus dazu lautet:
| Bethsaida, piscina in Ierusalem, quae vocabatur προβατική et a nobis interpretari potest pecualis. | Bethsaida, ein Bassin in Jerusalem, das probatikē („schafisch“) genannt wurde und von uns mit zum Kleinvieh gehörig übersetzt werden kann. |
| haec quinque quondam porticus habuit, ostendunturque gemini lacus, quorum unus hibernis pluviis adimpleri solet, alter mirum in modum rubens quasi cruentis aquis antiqui in se operis signa testatur. | Dieses hatte einstmals fünf Säulenhallen, und es werden Zwillingsteiche gezeigt, von denen einer von winterlichen Regenfällen angefüllt zu werden pflegt, der andere, auf wunderbare Weise rötlich, gleichsam mit blutigen Wassern die Zeichen des alten Werkes in ihm bezeugt. |
| nam hostias in eo lavari a sacerdotibus solitas ferunt, unde et nomen acceperit. | Denn man berichtet, dass in ihm die Opfertiere von den Priestern gewaschen zu werden pflegten, wovon er den Namen bekommen hat. |
Eusebios sagt, beide Becken seien durch Regenwasser gespeist worden; Hieronymus liest offenbar ἑτέρα „die eine / andere (von zweien)“ statt ἑκατέρα „beide“. Versehen des Hieronymus? Oder Verderbnis des Eusebiostextes? Hieronymus hat die Namensform, die auch Eingang in die Vulgata gefunden hat, Bethsaida.
Ein weiterer früher Bericht ist das sog. Itinerarium Burdigalense, der Bericht eines Pilgers aus dem heutigen Bordeaux über seine Pilgerreise ins Heilige Land in den Jahren 333-334.
| Sunt in Hierusalem piscinae magnae duae ad latus templi, id est una ad dextera, alia ad sinistra, quas Salomon fecit. | In Jerusalem gibt es an der Seite des Tempels zwei große Bassins, nämlich eines zur Rechten, das andere zur Linken, welche Salomon gemacht hat. |
| interius vero civitati sunt piscinae gemellares, quinque porticos habentes, quae appellantur Betsaida. | Weiter innen zur Stadt aber sind Zwillingsbassins, die fünf Säulenhallen haben und die Betsaida genannt werden. |
| Ibi aegri multorum annorum sanabantur. | Dort wurden langjährig Kranke geheilt. |
| Aquam autem habent hae piscinae in modum coccini turbatam. | Diese Bassins haben aber nach Art eines Scharlachgewands aufgewühltes Wasser. |
Geyers Text hat aqua (ein Nom. pendens?), ich schreibe mit Hs. S aquam.
Der letzte Satz soll wohl besagen, dass das Wasser aufgewühlt und rot ist, und zwar bei beiden Teichen. Der Pilger von Bordeaux hat ebenfalls den Namen Betsaida.

| Quelle: | Wikimedia |
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Kyrillos von Jerusalem, seit 351 daselbst Bischof, sagt in seiner Predigt über den Gelähmten (Hom. in paralyticum) § 2:
| Ἐν γὰρ τοῖς Ἱεροσολύμοις ἦν προβατικὴ κολυμβήθρα, πέντε στοὰς ἔχουσα, τέσσαρας μὲν περιτρεχούσας, μέσην δὲ τὴν πέπμτην, ἐν ᾗ κατέκειτο πλῆθος ἀσθενούντων, καὶ ἀπιστία ἦν πολλὴ τῶν Ἰουδαίων. | Denn in Jerusalem gab es ein Schafbecken, das fünf Säulenhallen hatte, vier umlaufende, die fünfte aber in der Mitte, in welcher eine Menge von Kranken lag, und der Unglaube der Juden war groß. |
Kyrillos liefert die Erklärung dafür, warum die Anlage fünf Stoas hatte.
Der Name Βηθζαθά Bēthzathá wird im Wesentlichen nur vom Cod. Sinaiticus gestützt, während der Mehrheitstext, aber auch die Codd. Alexandrinus und Ephraemi Rescr. Βηθεσδά Bēthesdá haben, der Cod. Vaticanus Βηθσαϊδά Bēthsaidá, der Cod. Bezae Cantabr. Βελζεθά Belzethá.
Bēthsaidá (= aram. בֵּית צֵידָא bêt ṣêdâ „Haus der Jagd/ des Fischfangs“) ist Verschreibung aus Bēthzathá oder Verwechslung mit dem Ort am See Genezareth, aus dem nach Joh 1,44 Petrus, Andreas und Philippus stammen. Auch wenn Vulg. (Bethsaida), sahid. (Ⲃⲏⲇⲥⲁⲓⲇⲁ Bēdsaida) und bohair. (Ⲃⲏⲑⲥⲁⲓⲇⲁ Bēthsaida) Version dies übernommen haben. Belzethá wird wohl ebenfalls nur eine Verschreibung für Bethzethá sein.
Bēthesdá (= aram. בֵּית חִסְדָּא bêt ḥisdâ oder חֶסְדָּא ḥæsdâ [zu mit ε wiedergegebenem Ḥīreq s. Dalman Gramm. S. 84] „Haus der Barmherzigkeit“) klingt dagegen sehr plausibel. So hat auch die Peschitta ܒܶܝܬܼ ܚܶܣܕܿܳܐ bêt ḥesdâ. Doch hält Bultmann gerade diesen „allegor. Sinn“ für verdächtig und den Namen daher nicht für ursprünglich. Allerdings könnte es auch „Haus der Schande“ bedeuten, s. ḥsd, ḥsdˀ und ḥsd, ḥsdˀ #2. Nach anderen ist es aram. בֵּית אֶשׁדָּא bêt ʾæšdâ „Haus der Ausgießung“; ein Subst. æšdâ ist aber nicht belegt. Zahn argumentiert, „daß der […] Name einen zunächst für die Tat Jesu bedeutsamen Sinn gehabt haben muß“ (S. 282), wenn der Evangelist sich schon die Mühe macht, auf seine hebräische Herkunft hinzuweisen.
Was spricht nun gerade für Bēthzathá, eine Lesart, die von der UBS3 mit D („very high degree of doubt“) bewertet wird? Der Haupgrund dürfte sein, dass der Name mehrmals in Josephus' Werk über den Jüdischen Krieg vorkommt: Ios. bell. Iud. 2,328 (2,15,5); 2,530 (2,19,4); 5,149.151 (5,4,2); 5,246 (5,5,8). Βεζεθά Bezethá ist bei Josephus der Name eines an die Burg Antonia angrenzenden Hügels und des Stadtviertels daselbst (Thackeray in der Loeb-Ausg. zu 2,328: „the northernmost suburb, included within the unfinished wall of Agrippa I“). Und so erklärt Dalman: „Der Teich hieß dann nach dem zu Jesu Zeit noch nicht ummauerten Stadtteil ‚der Teich von Bezatha‘, was Johannes verleitete, Bezatha als Eigennamen des Teiches zu fassen.“ (Orte u. Wege S. 325; ähnlich in: Jerusalem S. 177).
Der Name soll nach Josephus soviel wie Καινόπολις Kainópolis „Neustadt“ (2,530) bzw. καινὴ πόλις „neue Stadt“ (5,151) bedeuten (= hebr. בי(ת) חדשׁת?, wird von Thackeray zu 5,151 abgewiesen). Dalman erklärt den Namen in seiner Grammatik (S. 147) als aram. בֵּית זֵיתָא bêt zêtâ oder זַיְתָא zajtâ „Haus der Oliven, Ölbaumort“. In Orte u. Wege (S. 325) hingegen als „aramäisch bezʿatā, hebräisch ha-biṣʿā ‚der Abschnitt‘“ (a.a.O.). Doch bedeutet nach den Wörterbüchern hebr. בִּצְﬠָה biṣʿa (Pl. בִּצְעִין biṣʿîn) „Teich, Sumpf“ (Dalman) oder „ditch, dike, pond“ (Jastrow). Bezʿatā ist wohl das, was auch Burkitt erwägt, nämlich aram. בִּזְעָתָא bizʿātâ „the bits cut off“ oder בִּזְעֲתָא bizʿatâ „the bit cut off“. Ist das St. emphat. des Part. Pass. Fem. von בזע „spalten, durchbrechen, zerreißen“? (Vgl. auch das Subst. בִּזְﬠָא bizʿâ „Spalte, Riss“.)
Keinerlei Anklang hat Delitzschs Vorschlag gefunden, „die fünf Säulenhallen hat“ als Erklärung des hebr. Namens zu fassen, und diesen von Beth-estâw „Säulenhallenhaus“ abzuleiten (aram. סְטָיו seṭâw, auch אִסְטֵיו ʾisṭêw, אִסְטְוָא ʾisṭewâ, אִסְטְבָא ʾisṭebâ, אִצְטְבָא ʾiṣṭebâ, syr. ܐܶܣܛܘܳܐ ʾesṭewâ, = gr. στοά stoá, „Stoa, Säulenhalle; Steinbank“).
Schlatter stellt den Namen zu hebr. בֶּ֫צַע bǽzaʿ m. (!) „Schnitt, Abbruch, Gewinn (bes. ungerechter)“ und übersetzt „(unteres/oberes) Stück“. Auch er gelangt dann zur Form aram. בִּצְﬠֲתָא biṣʿatâ, woher Josephus sein Bezethá hätte.
Schlatter bezieht sich auf tSan (Tosefta Sanhedrin) 3,4, wo es u.a. heißt:
| אבא שאול אומר | Abba Šaʾul sagt: |
| שתי בצעין היו בירושלים התחתונה והעליונה | Zwei Teiche sind in Jerusalem, der untere und der obere. |
| התחתונה נתקדשה בכל אלו | Der untere wurde geheiligt mit allen diesen (?). |
| והעליונה לא קדשו | Und den oberen haben sie nicht geheiligt, |
| כשעלו מן הגולה | bis sie heraufgekommen sind aus dem Exil, |
| שלא במלך ושלא באורים ובתומים | weil (sie) ohne König (waren) und ohne Urim und Tummim. |
| […] | |
| ומפני מה לא קדשוה | Und weswegen haben sie ihn (den oberen Teich) nicht geheiligt? |
| מפני שתורפה של ירושלים משם | Weil die Schwäche Jerusalems von dort (herrührt) |
| ונוחה ליכבש משם | und es (Jerusalem) von dort leicht zu unterwerfen ist. |
Danby gibt בצעין mit „valleys“ wieder. Der obere Teich ist erst in nachexilischer Zeit an die Stadt herangewachsen, er ist also der jüngere. Insofern ist Josephus Erklärung „Neustadt“ zwar etymologisch falsch, aber sachlich gerechtfertigt. Ein oberer Teich wird auch Jes 7,3, 2Kön 18,17 und Jes 36,2 erwähnt. Der untere Teich von Jes 22,9 dürfte mit dem Siloah-Teich von Joh 9,7.11 (vgl. auch Lk 13,4) identisch sein.
Bethesdá hingegen ist außerhalb des NT nirgends eindeutig bezeugt.
Auch die Kupferrolle von Qumran (3Q15), eine Auflistung versteckter Schätze,
hilft nur bedingt weiter: Milik liest in 11,12 (bei ihm Item Nr. 57)
בית אשדתין byt ʾsdtyn, Bet Eshdatain und
setzt es mit Bēthesda (das er als byt ʾsdh versteht) und
Josephus' Bezatha gleich. Zur Etymologie merkt er an, dass ʾsdtyn
ursprl. vielleicht „twin slopes“ bedeutet haben mag, dass die Christen es aber
zu ʾsd „to pour out (water, blood)“ in Beziehung setzten.
Lefkovits listet alle möglichen vorgeschlagenen Lesungen auf und entscheidet
sich selbst schließlich für בית האשוחין bjt hʾšwḥjn
„the House of the Pools“. Er stellt das Wort zu hebr. שׁיח/שׁוח
„sinken“, vgl. atl. שִׁיחָה/שׁוּחָה šûḥâ/šîḥâ
„Grube“, mit prosthetischem Aleph אשוח „Zisterne“?
„Teich“? in der Meša-Stele
Z. 9 (und vermutl. Z. 23), אשׁחת (= Pl. ʾašuḥot)
„Zisternen“ in der Tell-Siran-Inschrift,
אשׁיח ʾašîaḥ „Zisterne,
Teich“ in Sir 50,3.

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Vom 13. bis zum 19. Jh. zeigte man den Pilgern den Birket Isrāʾīl (oder Isrāʾīn) als Teich Bethesda. Dies ist ein Wasserreservoir aus herodianischer oder hadrianischer Zeit (das ist umstritten), das unmittelbar an der Nordmauer des Tempelbergs lag. In den 1930er Jahren wurde es zugeschüttet. Google Maps zeigt dort heute einen Parkplatz und einen gepflasterten und begrünten Platz (El-Ghazali Square), über den man auf das Tempelberggelände gelangt.
E. Robinson erwog, ob es sich nicht um die sog. Jungfrauenquelle, arab. عين أم الدرج ʿAin umm ad-daraǧ „Quelle der Mutter der Treppe“, handeln könnte. Damit ist anscheinend die Brunnenanlage (Robinson schreibt von einem umgerechnet ca. 4½ × 1¾ m großen Becken) jener Quelle gemeint, die heute (und bereits im AT, z.B. 1Kön 1,33, 2Chr 32,30) Gihon (hebr. גִּיחֹון gîḥôn) genannt wird. (Aber wo sollen da fünf Säulenhallen gewesen sein?)
Wenn Robinson wiederholt von einer Quelle Siloam spricht, meint er wohl das 15 × 5 m große Becken am heutigen Ausgang des Hiskia-Tunnels, das jetzt عين سلوان ʿAin Silwān „Quelle von Siloam“ genannt wird. (Trotz des Namens ist das aber keine Quelle.) Dieses hielt man lange Zeit für den in Joh 9,7.11 erwähnten Teich von Siloah. Doch dürfte die Anlage auf Kaiser Hadrian (reg. 117-138) zurückgehen. Nach heutigem Wissensstand befand sich der nachexil. und damit ntl. Siloah-Teich aber weiter südlich und wurde erst 2004 entdeckt.
Wieder andere favorisierten die These, dass Bethzeta/Bethesda/Bethsaida nur ein anderer Name für den alten Siloah-Teich ist, genauer für den بركة الحمراء Birkat al-Ḥamrāʾ „roter Teich“, den הַבְּרֵכָה הַיְשָׁנָה hab-berekâ ha-j(e)šānâ „alter Teich“ von Jes 22,11 (wohl im Gegensatz zum הַבְּרֵכָה הַתַּחְתּוֹנָה hab-berekâ hat-taḥtônâ „unterer Teich“ zwei Verse vorher).
Doch gilt heute als unbestritten, dass der Bethesda-Teich in jener Anlage zu finden ist, die unmittelbar nordwestlich der St.-Anna-Kirche ergraben wurde. Denn diese passt ziemlich genau zu den Angaben des JohEv und der frühchristlichen Schriftsteller.
Die Baugeschichte des Areals ist komplex. Ein erstes Zisternenbecken entstand schon in vorexilischer Zeit (8.-6. Jh.). Um 200 v.Chr. kam das südliche Becken hinzu. Die Säulenhallen gehen wohl auf Herodes den Großen zurück. Die Römer richteten dort unter Hadrian (2. Jh.) (nach anderen Angaben im 3./4. Jh.) ein Heiligtum des Heilgottes Asklepios mit Baderäumen ein. Es gibt Votivgaben aus dieser Zeit.
Im 5. Jh. wurde über den Teichen eine byzantinische Basilika errichtet, das Mittelschiff befand sich an der Stelle der einstigen mittleren Stoa. Stützpfeiler dieser Kirche sind noch heute zu sehen. Der Grabstein eines Diakons der Kirche zeigt, dass sie Probatikí (phonetische Schreibung für älteres Probatiké) genannt wurde. Diese Kirche wurde 614 von den Persern zerstört, aber wiedererrichtet. Unter Kalif el-Hakim wurde sie 1009 neuerlich zerstört (schwerer wog damals allerdings der Abriss der Grabeskirche).
Um 1150 errichteten die Kreuzfahrer in der Nordwestecke der ehemaligen Basilika (d.h. über der Südostecke des nördlichen Beckens) ein kleines Kirchlein, das aber nicht viel länger als 100 Jahre existiert haben dürfte. Es trug den Namen Moustier (= lat. monasterium, mgr. μοναστήρι monastíri „Kloster“). Von dieser Kirche sind noch die Apsis und die Westfassade mit dem Eingang zu sehen.
Um 1140 war schon östlich des südlichen Beckens die romanische St.-Anna-Kirche errichtet worden. Nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin wurde die Kirche 1192 in eine Madrasa (Koranschule) umgewandelt. In osmanischer Zeit verfiel das Gebäude. 1856 übergab der damalige Sultan die Kirche den Franzosen unter Napoleon III. Diese renovierten die Kirche und fanden dabei den alten Bethesda-Teich.
Seit der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde im Bereich der St.-Anna-Kirche gegraben. Man entdeckte zunächst zwei Zisternen, die, wie sich bald herausstellte, einen Teil des nördlichen Beckens bildeten. Bald darauf fand man auch eine Ecke des südlichen Beckens. Bis zur Neuzeit waren nach Jeremias 13 bis 25 m Schutt auf die Teiche gehäuft worden.
Die Ausgrabung gewährt heute zwar einen Blick in die Tiefe, gibt aber keine Vorstellung von der großen Ausdehnung (zusammen 5000 m² Wasserfläche) der Anlage. Die beste Vorstellung gewinnt man aus dem Modell im Israel-Museum (s.o.).
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Letzte Aktualisierung: 26. Juli 2026